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Nach der Flut an der Ahr : „Ich vermisse unser Haus“

Im Garten: Der Sohn von Familie Klees hilft beim Spargelstechen. Bild: privat

Das beschädigte Haus ist für Familie Klees nicht die einzige Baustelle nach der Flut. Wenn Josef und Annette Zeit finden, wollen sie sich mit Unterstützung um die seelische Gesundheit kümmern.

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          Wie viel Zeit ist verstrichen seit der Flut im Ahrtal? Auf diese Frage gibt es für Annette und Josef Klees mehr als nur die kalendarische Antwort, dass vor mehr als zehn Monaten die Wassermassen ihr Haus erfassten. Das Zeitgefühl sagt etwas anderes. „Das verschwimmt total“, findet Annette Klees. Zumindest wenn sie nicht in Ahrweiler, sondern in der einige Kilometer entfernt liegenden Übergangswohnung ist, fühlt sich die Katastrophe auch zeitlich weiter weg an: „Mir kommt das ewig vor, drei Jahre oder so.“ Bei ihrem Mann Josef ist das anders. Für ihn ist die Flut gefühlt vor sechs Wochen gewesen: „Das ist auch wieder krass, dieses unterschiedliche Zeitgefühl.“

          Tobias Schrörs
          Politikredakteur.

          Wenn Annette und Josef Klees über die Phasen nach der Flut reden, sprechen sie von Bauabschnitten. Das immerhin strukturiert die Zeit. Erst Schlamm und Möbel rausschaffen, dann Wände des­infizieren, dann – weil das Desinfizieren nicht ausreichte – doch den ganzen Estrich und Putz abstemmen. Danach liefen die Bautrockner bis etwa Neujahr; seitdem ist nicht mehr viel passiert, weil immer noch offene Versicherungsfragen zu klären sind. „Das war die Phase, in der der erste Knick kam“, sagt Josef Klees. „Es zieht sich alles ewig“, sagt seine Frau Annette.

          Vieles muss auch jenseits der Baustelle an der Ahr noch warten. Annette und Josef Klees wollen endlich wieder „Familienzeit finden“. Die Ärztin der Kinder erinnerte die beiden daran, dass sie sich auch um sich kümmern sollten. Kinder gingen besser mit der Erfahrung der Katastrophe um, meint Josef Klees. „Sie verarbeiten das im Spiel, buddeln im Sandkasten mal ein Auto aus dem Schlamm aus.“

          Erwachsene machen es anders, das sieht er an sich selbst. „Das ist ein Thema, das ich gar nicht angehen kann, weil ich keine Zeit habe, obwohl es eigentlich sein muss“, sagt der Familienvater über professionelle Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten. „Das hat ja auch mit seelischer Gesundheit zu tun.“ Grundsätzlich sei ihm schon relativ kurz nach der Flut klar gewesen, dass es ein so einschneidendes Erlebnis sei, dass „wir darüber mal reden müssen“. Auch wenn seit der Katastrophe schon viele Wochen ins Land gegangen sind, wollen er und seine Frau die Aufarbeitung noch angehen. „Das werden wir machen, wenn wir etwas geordneter durch den Tag gehen“, sagt Annette Klees. Jetzt sei es noch so, dass man zur Arbeit gehe, sich mit den offenen Fragen rund um die Baustelle auseinandersetze und irgendwann ins Bett falle.

          Die Kinder kämen da bisweilen zu kurz. Die kleine Tochter der beiden, die zufällig mitbekommt, dass ihre Mutter gerade am Telefon mit dem Journalisten über das Leben nach der Flut spricht, sagt dazu: „Ich vermisse unser Haus.“ Die Vierjährige kann sich, anders als ihr kleiner Bruder, der anderthalb Jahre alt ist, noch gut an das alte Leben an der Ahr erinnern. Nun spielt sie mit ihrem Bruder im Garten des Ehepaars, das Familie Klees seit dem ersten Tag nach der Flut eine Übergangswohnung vermietet. Josef Klees schildert, wie der kleine Sohn alles mit seiner Gießkanne wässert und im Gemüsegarten beim Spargelstechen hilft.

          Wenn Annette und Josef Zeit haben, den Rat der Kinderärztin zu beherzigen, wissen sie schon, an wen sie sich wenden müssen. Jeder im Ahrtal kenne die entsprechenden Stellen, sagt Annette Klees. Dazu haben sie auch einen Flyer bekommen. Eine wichtige Adresse in Ahrweiler ist ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie, das selbst von der Flut betroffen ist, die „Ehrenwall’sche Klinik“. Man könne offen darüber sprechen, wenn man Hilfe suche, sagt Annette Klees. „Ich glaube, im Ahrtal ist es nicht mehr so dramatisch, dass man schief angeguckt wird.“ Viele erzählen, dass sie irgendwann eine Therapie machen wollen, „wenn mal Ruhe einkehrt“.

          Familie Klees aus Ahrweiler berichtet in dieser Serie darüber, wie sie die Flutkatastrophe bewältigt. Zuletzt ging es um den ersten Frühling nach der Flut, den improvisierten Alltag, das erste Weihnachtsfest, die Taufe des kleinen Sohns und die Anfänge der Sanierung des Hauses. Im F.A.Z. Podcast für Deutschland wurde Familie Klees in dieser Folge vorgestellt.

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