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Familie : Das Dilemma der Männer

  • -Aktualisiert am

Etwa 18 Prozent der jungen Väter nahmen 2009 Elternzeit Bild: ddp

Auch Väter haben Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. „Erfolg im Leben“ bezieht sich für sie nicht mehr nur auf berufliche Belange. Der Wandel der Rollenbilder hat die Männer erfasst. Welche Lösungen sie dafür finden, wird für ihre Kolleginnen und ihre Partnerinnen von Interesse sein.

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          Väter sind in den vergangenen Jahren ein beliebter Gegenstand soziologischer Forschung geworden. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ist mit ihrer Ankündigung, die Vätermonate zu verlängern und Männern auf weiteren, noch nicht konkretisierten Wegen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, auf einen fahrenden Zug aufgesprungen: Etwa 18 Prozent der jungen Väter nahmen 2009 Elternzeit; wegen ihrer im Schnitt höheren Gehälter sind sie die „Kostentreiber“ beim Elterngeld, für das im Jahr 2010 4,48 Milliarden Euro bereitstehen. Vor der Einführung des Elterngelds im Jahr 2007 blieben nur 3,5 Prozent der Väter eine Zeitlang zu Hause. Doch drei Viertel der „Elterngeld“-Väter nehmen auch heute nur die zwei „Partnermonate“; acht Prozent von ihnen setzen für einen längeren Zeitraum aus.

          Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag, der Schriftsteller und vierfache Vater Robert Habeck, verwies in seinem Buch „Verwirrte Väter“ darauf, dass Männer zunehmend verunsichert seien durch den Anspruch, Ernährer der Familie und zugleich aktive Erzieher sein zu sollen (und zu wollen). Die Vätermonate stellte er als falschen Anreiz dar, der an der Misere der Männer, ihr ganzes Arbeitsleben lang zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben, nichts ändere. Er plädierte dafür, dass Eltern sich Familien- und Erwerbsarbeit dauerhaft gleichmäßig teilen sollten, um nicht permanente Überforderung auf einem der Gebiete zu erleben.

          Auch Väter haben ein schlechtes Gewissen

          Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Eine Studie im Auftrag der „Hessenstiftung - Familie hat Zukunft“ hatte 2008 ergeben, dass Väter negative Konsequenzen fürchten, wenn sie in ihrem Unternehmen familienfreundliche Angebote nutzen, also zum Beispiel Teilzeit beantragen oder eine längere Elternzeit nehmen. 54 Prozent der Befragten waren überzeugt, dass dies ihre Karriere behindere, 39 Prozent befürchteten ablehnende Reaktionen des Vorgesetzten, ebenso viele das Unverständnis der Kollegen, knapp sieben Prozent rechneten fast damit, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Nur 28 Prozent waren der Meinung, dass ihnen dieses Ansinnen im Betrieb nicht schaden werde.

          Die Väter erleben in dieser Hinsicht einen nicht geringen Konflikt: Denn zugleich waren etwa 95 Prozent der Ansicht, dass unter ihren beruflichen Anforderungen die Beziehung zu ihrer Partnerin häufig oder manchmal leide; mehr als 80 Prozent gaben an, dass sie ihren eigenen Ansprüchen an die Vaterrolle nicht gerecht würden, weil sie so stark eingespannt seien. Diejenigen, denen es nicht ausreicht, nur am späten Abend und am Wochenende Väter zu sein, sind deutlich in der Mehrheit. Nicht nur Mütter, auch Väter haben - und das fand bisher wenig Beachtung - ein schlechtes Gewissen. Sie nehmen dabei die Bedürfnisse ihres Nachwuchses deutlich wahr: Denn auch 84 Prozent der Kinder wünschen sich nach Angaben einer neuen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mehr Zeit mit ihren Vätern.

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