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Kommentar zum Ausländeranteil : Falscher Ehrgeiz

Passanten am Hermannplatz in Berlin-Neukölln Bild: Andreas Pein

Jedes Jahr zieht eine ganze Metropole nach Deutschland. Was von oben als „gelungene Integration“ verkündet wird, sieht von unten oft ganz anders aus.

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          Bis vor wenigen Jahren konnte der Eindruck entstehen, jede Meldung über den Anstieg des Ausländeranteils in Deutschland gelte als Siegesmeldung einer olympischen Disziplin: Schon wieder ein Spitzenwert! Seit 2015 ist der Stolz einer gewissen Sachlichkeit gewichen. Das ist gut, weil viele Kommunalpolitiker, die vor drei Jahren noch Pflichtgefühl vor Protest walten ließen, mittlerweile zugeben, Deutschland drohe sich mit seiner Einwanderungspolitik sehenden Auges zu verheben.

          Jetzt hat das Wachstum der Zahl der Ausländer in Deutschland das Niveau vor der Flüchtlingswelle erreicht – es zieht also nicht mehr monatlich eine ganze Metropole nach Deutschland, sondern „nur“ noch jährlich.

          Dass so viele „Großstädte“ in so kurzer Zeit ein paar zu viel gewesen sein könnten, lässt sich noch mit der Not von Flüchtlingen entschuldigen. Nicht einzusehen ist aber, warum jenseits dieser Sondersituation ein Mehr immer auch gleich ein Besser sein soll. Besser wäre es nur dann, wenn sich in der EU die Arbeitsmärkte und unterschiedlichen Konjunkturentwicklungen durch Freizügigkeit ausgleichen könnten und wenn von außerhalb der EU tatsächlich die Fachkräfte nach Deutschland kämen, die hier eine Zukunft haben.

          Schlechter ist es aber, weil Deutschland viel zu oft das Ziel für Rundum-Versorgung ist. Diese Abwägung wird gerne durch Girlanden über „kulturelle Bereicherung“ ersetzt. Die erfahren viel zu viele Leute aber als Verschlechterung ihrer Perspektiven – von der Schule bis in die Statistik über Messerstechereien. Was von oben als „gelungene Integration“ verkündet wird, sieht von unten oft ganz anders aus. Hier, nicht in Jubelmeldungen über Migration, sollte Deutschland Ehrgeiz entwickeln.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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