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Bericht zu Lübcke-Mordfall : Stephan E. noch bis vor kurzem in Kontakt mit Neonazis

  • Aktualisiert am

„Combat 18“ gilt als der bewaffnete Arm des Neonazi-Netzswerks „Blood and Honour“. Bild: Reuters

Der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke soll zuletzt nicht mehr als Rechtsextremist aufgefallen sein. Doch laut einem Fernsehbericht hatte er noch im Frühjahr Kontakt zu Mitgliedern von Neonazi-Organisationen in Sachsen.

          Der im Mordfall Lübcke Tatverdächtige Stephan E. hat einem Bericht des ARD-Magazins „Monitor“ zufolge noch 2019 an einem konspirativen Treffen von Mitgliedern von Neonazi-Organisationen teilgenommen. Das geht demnach aus Fotos hervor, die das Fernsehmagazin gemeinsam mit einem Gutachter ausgewertet hat. Inwiefern Stephan E. zuletzt noch Kontakt zur rechtsextremen Szene hatte, war bisher unklar. Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang hatte am Dienstag erklärt, E. sei in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr so deutlich wie früher als Rechtsextremist in Erscheinung getreten und „eher in den Hintergrund der Beobachtung getreten“.

          Nach „Monitor“-Erkenntnissen nahm E. am 23. März an einer konspirativen rechten Veranstaltung im sächsischen Mücka teil. Dort wurde er demnach zusammen mit Mitgliedern der neonazistischen Organisation „Combat 18“ und der neonazistischen Vereinigung „Brigade 8“ fotografiert. „Combat 18“ bedeutet übersetzt Kampfgruppe Adolf Hitler. „Combat 18“ gilt als der bewaffnete Arm des Neonazi-Netzwerks „Blood and Honour“, das wiederum die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) unterstützt haben soll.

          Sachverständiger analysierte Fotos

          Der 45 Jahre alte E. steht unter Verdacht, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) in der Nacht zum 2. Juni mit einem Kopfschuss getötet zu haben. Der Generalbundesanwalt, der mittlerweile die Ermittlungen übernommen hat, geht von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus.

          Neben Stephan E. ist auf den Bildern des Treffens in Mücka unter anderem Stanley R. zu sehen, der als zentrale Figur des deutschen „Combat 18“ gilt. Beide haben eine gemeinsame Vergangenheit in der Neonazi-Szene und zum Beispiel 2002 zusammen an einer NPD- Wahlkampfveranstaltung teilgenommen.

          Der Münchner Sachverständige George A. Rauscher analysierte die Bilder im Auftrag von „Monitor“. Das Magazin zitiert ihn mit den Worten: „Die Identität der Person Stephan E. als sichtbare Person auf den Lichtbildern der Veranstaltung vom 23. März 2019 ist als praktisch erwiesen anzusehen.“ Den Anstoß zu der Fotorecherche gab das Rechercheportal „Exif“.

          Das Landeskriminalamt in Sachsen prüfe nun mögliche Kontakte des Tatverdächtigen zur sächsischen Neonazi-Szene, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. SPD und Grüne forderten von Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) rasche Aufklärung. Das Treffen in Mücka mit rund 200 Teilnehmern sei dem Verfassungsschutz in Sachsen bekannt gewesen, sagte ein Behördensprecher. Weitere Auskünfte könnten wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens der Bundesanwaltschaft derzeit nicht gegeben werden.

          Unterdessen bot der hessische Verfassungsschutz seine Informationen zum Tatverdächtigen dem Generalbundesanwalt an. Das sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Wiesbaden. Falls Bedarf bestehe, könne die Akte zu Stephan E. angefordert werden.

          Anmerkung der Redaktion (24.06.2019)

          Stephan E. war offenbar doch nicht im März auf einem Neonazi-Treffen in Sachsen. Behörden in Hessen gehen nach dpa-Informationen von einer Verwechselung aus.

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