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Fall Köthen : Einer der Beschuldigten sollte abgeschoben werden

  • Aktualisiert am

Blumen und Kerzen wurden in der Nähe des Tatorts abgelegt. Bild: dpa

Die Abschiebung des tatverdächtigen Afghanen war erst vor wenigen Tagen genehmigt worden. Was genau geschah, ist immer noch nicht klar. Die Bundesregierung verurteilt zudem die Sprechchöre während des Trauermarsches.

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          Für einen der Beschuldigten im Fall des in der Nacht auf Sonntag getöteten jungen Mannes in Köthen lag seit Donnerstag eine Abschiebegenehmigung der Staatsanwaltschaft vor. Darüber sowie über die gestrigen Demonstrationen in der Kleinstadt in Sachsen-Anhalt informierten am Montagmittag der sachsen-anhaltische Innenminister Holger Stahlknecht und die Landesjustizministerin Anne-Marie Keding (beide CDU) sowie der zuständige Oberstaatsanwalt Horst Nopens bei einer Pressekonferenz in Magdeburg.

          Während einer der Beschuldigten laut Keding eine Aufenthaltserlaubnis hatte, war der zweite ausreisepflichtig. Bereits Mitte April hatte der Landkreis Anhalt-Bitterfeld deshalb seine Abschiebung bei der Staatsanwaltschaft beantragt. Dies war nötig, weil gegen den Afghanen ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung anhängig war und ist ein übliches Vorgehen bei tatverdächtigen ausreisepflichtigen Ausländern. Die Staatsanwaltschaft lehnte dies wenige Tage später ab, da die Ermittlungen in dem Fall noch nicht abgeschlossen waren. Am 22. August stellte der Landkreis abermals einen Antrag. Er wurde am 6. September, also zwei Tage vor der Tat, genehmigt, da das Verfahren mittlerweile weit genug vorangeschritten war.

          Eine Abschiebung des Afghanen am Freitag sei nicht möglich gewesen. „In der Kürze der Zeit können wir so etwas nicht organisieren“, so Stahlknecht. Es gehe nicht jeden Tag ein Flieger nach Afghanistan. Durch die abgelaufenen Ereignisse habe sich die Genehmigung aber überholt, so Keding. Sie sehe nicht, das in Anbetracht der unklaren Lage eine Abschiebung derzeit möglich wäre.

          Tatgeschehen weiterhin unklar

          In dem Fall wolle er so transparent wie möglich sein, versprach Stahlknecht. „Dazu gehört auch zu sagen, was wir nicht wissen.“ Zu den Unbekannten zählt demnach weiter der genaue Ablauf des Geschehens. An Spekulationen hierzu wolle man sich nicht beteiligen. Gesichert sei nur, das mindestens zwei Afghanen und mindestens zwei Deutsche in eine tätliche Auseinandersetzung verwickelt waren. Laut des bislang lediglich telefonisch übermittelten Obduktionsberichts starb der Mann an akutem Herzversagen, erklärte Keding. Er hatte eine Herzvorerkrankung. Für Tritte oder Schläge gegen den Kopf gäbe es bislang keine Anzeichen. Es konnten keine todesursächlichen Verletzungen festgestellten werden. Der Bericht sei allerdings erst vorläufig.

          Man ermittele weiter in alle Richtungen, sagte der zuständige Staatsanwalt Horst Nopens. Die beiden Beschuldigten seien in Untersuchungshaft.

          Der Rechtsstaat funktioniere nicht so schnell wie die sozialen Netzwerke, begründete Stahlknecht den Ermittlungsstand. Auch Justizministerin Keding betonte, dass der Vorfall noch keine 48 Stunden her sei. Die Behörden würden aber alles dran setzen, die Tat so schnell wie möglich aufzuklären.

          Teilnehmer des Trauermarsches „keine homogene Gruppe“

          Zur Einsatzlage am Vortag erklärte Stahlknecht, er habe die Landesbereitschaft bereits in den frühen Morgenstunden alarmiert und in Bereitschaft versetzt. Außerdem habe er beim Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Einsatzkräfte vom Bund angefragt. Diese seien auch geschickt worden. Zudem seien Einsatzkräfte von den Landespolizeien aus Berlin, Brandenburg und Niedersachsen vor Ort gewesen. Insgesamt waren am Abend Beamte „im höheren dreistelligen Bereich“ im Einsatz. Wie viele genau es waren, wollte Stahlknecht im Hinblick auf mögliche weitere Demonstrationen am Montag sowie in den folgenden Tagen nicht sagen.

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