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Fall Jakob Kreidl : Miesbacher CSU-Landrat wirft hin

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Da war er noch Doktor: Jakob Kreidl im Mai 2007 beim Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützen in Schliersee Bild: dpa

Eine Geburtstagsfeier für fast 160.000 Euro, gesponsert von Kreissparkasse und Landkreis, eine abgeschriebene Doktorarbeit: Die Affären des Miesbacher Landrats Jakob Kreidl haben die CSU schwer belastet. Jetzt zieht Kreidl die Konsequenzen.

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          Der affärengeschüttelte Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) gibt auf. Unter massivem Druck der CSU-Spitze erklärte er am Dienstagabend seinen Amtsverzicht für den Fall einer Wiederwahl bei der Kommunalwahl im März. Ein Verzicht auf die Kandidatur ist aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich. „Aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme wurde ich von meinem Hausarzt krankgeschrieben. Nach hoffentlich baldiger Genesung muss ich verstärkt darauf achten, meine Gesundheit nicht dauerhaft zu gefährden. Daher habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, selbst für den Fall meiner Wiederwahl zum Landrat, das Amt nicht mehr anzunehmen“, teilte der 61-Jährige mit.

          Kreidl ist vor allem wegen seiner von der Kreissparkasse und dem Landkreis bezahlten Geburtstagsfeier und wegen der Aberkennung seines Doktortitels in die Kritik geraten. Die Affäre belastet den Wahlkampf der CSU in der Region schwer. Parteichef Horst Seehofer hatte ihn am Montag aufgefordert, bei der Kommunalwahl am 16. März nicht mehr zu kandidieren. Seine Kandidatur kann Kreidl jedoch nach dem Landkreiswahlgesetz nicht mehr zurückziehen.

          Wegen seiner Affären war der Miesbacher Landrat zuvor schon als Präsident des Bayerischen Landkreistages zurückgetreten

          Der 61-Jährige war wegen mehrerer Affären seit Monaten in der Kritik. Die fast 120.000 Euro teure Feier zu seinem 60. Geburtstag hatten fast ausschließlich die örtliche Sparkasse und der Landkreis bezahlt. Im Dezember entzog ihm die Münchner Bundeswehr-Universität den Doktortitel. Kreidl hatte die Arbeit in weiten Teilen abgeschrieben. Zudem beschäftigte er in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter seine Ehefrau als Mitarbeiterin - Monatsgehalt 1500 Euro. Die Praxis war zwar legal, die sogenannte Verwandtenaffäre des Landtags sorgte aber parteiübergreifend für massive Kritik.

          Seit kurzem steht nun auch noch der Vorwurf im Raum, bei Kreidls derzeitigem Hausbau handele es sich um einen Schwarzbau. Das Landratsamt geht den Vorwürfen nach. Vor einer guten Woche war Kreidl als Präsident des Bayerischen Landkreistages zurückgetreten. Am Sonntag erklärte er, er lasse sein Amt als Landrat aus gesundheitlichen Gründen vorerst ruhen.

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