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Falschmeldungen nach der Flut : Hunderte Kinderleichen, die es niemals gab

Eine zerstörte Straße im Ahrtal wenige Tage nach der Juli-Flut Bild: Lucas Bäuml

Im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe halten sich hartnäckig Falschmeldungen. Die spielen mit der Angst der Leute. Doch über die Urheber weiß man kaum etwas.

          4 Min.

          Die Liste der schockierenden Meldungen über die Flut im Ahrtal ist lang. Da ist einmal die Rede von 600 aufgefundenen Kinderleichen, dann von zwölf Ertrunkenen in einer Tiefgarage in Bad Neuenahr. Woanders gehen die Gerüchte von zwei Kinderleichen auf Kindersitzen und einer Vielzahl von Suiziden um. Es gibt nur ein Problem – denn keine dieser Meldungen ist wahr. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei Koblenz in der vergangenen Woche, nachdem er die spektakulärsten Falschmeldungen in einer Pressekonferenz aufgezählt hatte. Er sprach von einem „ganz besonderen Menschenschlag“, dem offenbar nichts Besseres einfalle, als Menschen mit unwahren und schockierenden Falschmeldungen zu verunsichern.

          Tobias Schrörs
          Politikredakteur.

          Sechs Wochen nach der Flut sind die Falschmeldungen offenbar noch immer ein Problem im Krisengebiet. Zwar beruhigt sich die Lage nach Einschätzung von Beobachtern langsam, falsche Warnungen vor einer zweiten Flutwelle sind längst verhallt. Doch andere Gerüchte halten sich hartnäckig. Jüngst erreichte diese Redaktion eine Anfrage, warum nichts über die 70 Suizide im Landkreis Ahrweiler zu lesen sei. Der Grund ist, dass es sie nicht gab. Die Staatsanwaltschaft Koblenz teilt dazu mit, dass „zwar nach derzeitigem Stand von einzelnen Suiziden (einer einstelligen Anzahl im unteren Bereich) auszugehen sein“ möge, allerdings sei auch zu berücksichtigen, dass zu den Beweggründen von Suiziden nicht immer belastbare Erkenntnisse vorlägen. Die Zahl von mehreren Dutzend Selbsttötungen ist an den Haaren herbeigezogen.

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