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Gekaufte Fake News : Das Netz ist ein Einkaufsparadies für Hetzer

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Manche der Marktplätze sind über das Darknet zu erreichen. Das ist jener Hinterhof des Internets, in dem alle Daten verschlüsselt, anonym und nicht verschlagwortet sind. Wer keinen Wert auf absolute Anonymität legt, kann fast alle der Seiten aber auch über das normale Internet erreichen. Es ist, als würde in der Fußgängerzone der Innenstadt ein Geschäft eröffnen, in dem Manipulationen verkauft werden – vor aller Augen. Tatsächlich ist die Strafbarkeit keineswegs eindeutig. Wer für Geld einen Kommentar unter einem Internetvideo schreibt, macht sich nicht strafbar. Wer unwahre Tatsachenbehauptungen weiterverbreitet, kann auf Unterlassung verklagt werden – vorausgesetzt es gibt einen Geschädigten.

Als ein Anschlag auf ein Popkonzert in Manchester stattfand, kursierten im Internet zum Beispiel falsche Opferbilder, ein klassischer Fall von Fake News. Der Geschädigte war die desinformierte Öffentlichkeit, aber niemand Konkretes. Wer für Geld eine Petition unterschreibt, verstößt nicht gegen die Buchstaben der Richtlinien von Seiten wie „change.org“, auch im Petitionsgesetz, das die Befassung des Petitionsausschusses des Bundestages regelt, spielt die Motivation der Unterzeichner keine Rolle. Rechtlich gesehen finden viele Fake-News-Geschäfte, wenn sie keine Tatbestände wie Beleidigung oder Volksverhetzung erfüllen, in einem rechtlichen Graubereich statt.

Ein billiges Propaganda-Mittel für Regierungen

100 Abonnenten für einen Youtube-Kanal zu kaufen, kostet bei der Firma Kwoki nur 90 Cent. Für größeres Geld manipulieren die Helfer der russischen Firma Jet-s auch Online-Umfragen. 2397 Euro muss man ausgeben, damit 25.000 Menschen eine Petition auf der Seite change.org unterschreiben. Früher hatte es dort zum Beispiel eine Petition mit der Überschrift „Rücktritt der dt. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und sofortige Neuwahl der Bundesregierung“ mit rund 264.000 Unterschriften gegeben. Auch wenn nicht zu erkennen ist, ob gekaufte Unterschriften dabei waren, so ist es theoretisch möglich, dass sie es alle waren. Das hätte dann 25.100 Euro gekostet. Eine große Anzeige in einer Zeitung ist teurer.

Auftraggeber könnten – über Strohmänner – auch ausländische Regierungen sein. Das mitunter harmlose Geschäft, mit dem sich Musiker falsche Fans kaufen können, eignet sich auch für die Manipulation der öffentlichen Meinung vor Wahlen. Staatliche Akteure mögen ihre eigenen Möglichkeiten der Manipulation haben, heißt es in dem Bericht. „Aber der Untergrund bietet einen einmaligen Vorteil: Anonymität.“

Um dem Problem Einhalt zu gebieten, haben die Analysten von Trend Micro einen einfachen Vorschlag zu machen: Würden Internetnutzer sich gelegentlich die Frage stellen, ob ein Artikel aus einer seriösen Quelle stammt oder nicht, würde das Geschäftsmodell der Manipulatoren schnell in sich zusammenbrechen. Schon von einem kleinen Vorsatz versprechen sich die Analysten eine große Wirkung: Wenn Internetnutzer nämlich mehr als nur die Überschrift eines Artikels lesen, bevor sie ihn in sozialen Netzwerk weiterempfehlen.

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