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Gekaufte Fake News : Das Netz ist ein Einkaufsparadies für Hetzer

Trend Micro ist nicht irgendein kleines Forschungsinstitut, sondern ein 1988 in Taiwan gegründetes IT-Sicherheitsunternehmen, das seine Dienstleistungen international verkauft. Die Firma bezeichnet sich als „weltweit führender Cybersicherheitsanbieter“. Seit kurzem ist die Bedeutung des Unternehmens auch in Deutschland gewachsen. Beim Schutz ihrer Netze verlässt sich die Bundesregierung nicht nur auf Behörden, sondern auch auf Privatunternehmen. Die Firma Cancom online, die mit Trend Micro zusammenarbeitet, etwa hat mit der Bundesregierung kürzlich einen Rahmenvertrag geschlossen. Beide sollen die Bundesregierung und ihre Behörden vor Cyberangriffen schützen. Trend Micro wirbt in Deutschland offensiv für seine Fähigkeiten und hat mit Cancom den bisherigen Kooperationspartner der Bundesregierung Symantec in einer Ausschreibung unterboten. Es ist eine hart umkämpfte Branche.

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Die Regierung hat auch andere Vertragspartner. Die Firma Rohde & Schwarz Cyber Security hilft der Bundesverwaltung zum Beispiel bei der Festplattenverschlüsselung, Oracle Deutschland wirkt bei der Datenverschlüsselung mit. Secunet Security Networks stellt Kryptogeräte bereit und leistet technische Unterstützung bei der Verschlüsselung von Regierungsdokumenten bis zur Kategorie „geheim“. Anders als im militärischen Bereich hat der Staat kein natürliches Monopol auf die Abwehr von Cyberangriffen, er ist auf die Hilfe von Privatunternehmen angewiesen. Mancher Konzern weiß mehr über Computerviren und Cyberkriege als der Geheimdienst eines mittelgroßen Landes.

In ihrem Bericht beschreiben die Analysten von Trend Micro nicht nur die Preislisten der Fake-News-Anbieter, sondern auch ihre Vorgehensweise. Nicht in Bürokomplexen in Sankt Petersburg und Nanjing sind die Verbreiter von Fake News zu finden, sondern es handelt sich um dezentrale Netzwerke von Privatpersonen, die sich auf diesem Weg ein Zubrot verdienen. Die russische Firma Vtope etwa hat ein Netzwerk von rund zwei Millionen Menschen zu ihrer Verfügung. Sie können Punkte sammeln, indem sie die Aufträge der Kunden erfüllen, zum Beispiel eine bestimmte Seite abonnieren oder einer Facebook-Gruppe beitreten, um ihre Bedeutung zu steigern. Wer viele Punkte gesammelt hat, kann sie für Geld oder eigene Manipulationsaufträge einsetzen. 10.000 Punkte sind rund 19 Euro wert.

24 Stunden für die Erfüllung der Aufgaben

Die Firma SMOFast kann ein Heer von rund 500.000 Menschen beauftragen. Die russische Firma like4u weist ihren Internetsöldnern sogar ein Zeitfenster zu, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Manche müssen innerhalb von 15 Minuten das tun, was der Kunde will, sonst erhalten sie keine Bezahlung. Andere Nutzer haben für die Erfüllung ihrer Aufgaben auch 24 Stunden Zeit. Es gibt also verschiedene Sorten von Manipulatoren, eine Art schneller Eingreiftruppe und ein stehendes Heer. Für den normalen Internetnutzer ist dieses System nicht erkennbar. Es sieht aus, als hätte ein echter Mensch einen Kommentar hinterlassen oder ein Youtube-Video mit „Gefällt mir“ markiert, damit es in der Hierarchie der Seite nach oben steigt und noch größere Zuschauerquoten erreicht.

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