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Niedrigwasser : Fährmann am großen Strom

Michael Maul auf seiner Rheinfähre Bild: Marcus Kaufhold

Seit den sechziger Jahren betreibt Familie Maul das Fährgeschäft am Rhein. Doch inzwischen ist am Fluss nichts mehr, wie es war. Niedrigwasserphasen wie gerade werden immer häufiger – und sie sind eine Bedrohung.

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          Fährmann, hol über! Bei Niedrigwasser leichter gesagt als getan für Michael Maul, dessen Familie seit 1968 die Fährverbindung zwischen dem hessischen Oestrich-Winkel und Ingelheim in Rheinland-Pfalz betreibt.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Maul ist der Spross einer Familie von Fährleuten mit einer Tradition, die ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Für ihn war der Beruf des Fährmanns dennoch keine Selbstverständlichkeit. Und das, obwohl die seit 1986 für die Überquerung des Rheins eingesetzte Autofähre „Michael“ seinen Namen trägt.

          In das elterliche Unternehmen einzusteigen, entschied er sich erst, als er sich nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre frei genug fühlte, gegebenenfalls einen anderen Beruf wählen zu können. „Am Ende war mein Widerstand aber nicht hartnäckig genug“.

          Auf dem Rhein ist nichts mehr so, wie es war

          Fährleute wie Maul sind die Launen der Natur und wechselnden Wasserstände des Rheins gewohnt: „Das bestimmt unser Leben“, sagt Maul. Doch in Zeiten eines als rasant empfundenen Klimawandels ist auf dem Rhein nichts ist mehr so, wie es war.

          Noch bis weit in die neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hinein gehörten für Maul periodische Hochwasser zum normalen Verlauf eines Jahres, während extreme Niedrigwasser sehr selten waren. Beides trübt die Laune der Fährleute. Die Häufung der Niedrigwasserphasen seit dem extremen Trockenjahr 2003 nennt Maul „beängstigend“. Die 52 Meter lange „Michael“ kann jetzt nicht mehr fahren.

          Maul, der einige Male im Monat selbst ans Steuerruder greift, hat für die Überbrückung die einzige Flachwasserfähre am Rhein von seinem Lorcher Fährkollegen gemietet. Das ist möglich, weil der Rhein für dieses Schiff trotz seiner nur 40 Zentimeter Tiefgang im westlichsten Eck von Hessen schon zu flach ist. Für Oestrich-Winkel aber reicht dieser Tiefgang aus.

          Maul mag Hochwasser sehr viel lieber als Niedrigwasserperioden. Erstere sind meist von kurzer Dauer und richten keine Schäden am Schiff an. Weniger als eine Handbreit Wasser unter dem Kiel hingegen erhöht den Verschleiß von Propeller und Antriebsmaschine durch verwirbelten Rheinkies. Der Bund müsse dem Querverkehr auf dem Rhein mehr Aufmerksamkeit schenken, fordert Maul.

          Der 49 Jahre alte Fährmann blickt mit Sorge in die Zukunft. Die Winkeler Bucht, die „Michael“ mit bis zu 32 Autos an Bord durchfahren will, fällt immer mehr trocken. Die ungewöhnlich vielen Wasserpflanzen halten Sand und Sedimente zurück. Das Ausbaggern ist teuer.

          Romantisch-schön, so Maul, ist der Fährbetrieb nur mit den Augen eines Außenstehenden. Die Belastung, 365 Tage im Jahr den Verkehr über den Strom aufrecht zu erhalten, sei groß. Das gehe auf Dauer nicht spurlos an einem vorüber.

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