https://www.faz.net/-gpf-6m2ym

Facebook-Partys : Asoziales Netzwerk?

  • -Aktualisiert am

Endlicher Spaß: Die Feier in Numborn sollte noch außer Kontrolle geraten. Bild: dapd

Die Innenminister überlegen, wie sie „Facebook-Partys“ Einhalt gebieten können. Eine auf dem sozialen Netzwerk annoncierte Party mit 2000 ungebetenen Gästen am Wochenende in Numborn war die bisher größte ihrer Art. Sie endete mit Festnahmen.

          2 Min.

          Dass die Saarländer Feierbiester sind, gehört zur Folklore des kleinsten deutschen Flächenlandes. Dieses Image negativ auf die Spitze getrieben haben am Wochenende rund 2000 junge Bewohner des Landes der „Griller und Schwenker“.

          Thomas Holl
          (holl.), Politik

          Eine auf dem sozialen Netzwerk Facebook annoncierte Party im Ortsteil Numborn der Gemeinde Heusweiler artete am Samstagabend zur bisher größten „Spaßparty“ dieser Art in Deutschland aus und endete zu später Stunde mit einem Polizeieinsatz gegen betrunkene Krawallgäste.

          Die Folgen solcher Partys - die im Saarland endete mit 69 Festnahmen, drei verletzten Polizisten, Einsatzkosten von mehr als 100.000 Euro sowie Sachschäden in bisher unbekannter Höhe - werden nun im Spätherbst erstmals die Innenministerkonferenz beschäftigen. Der saarländische Innenminister Stephan Toscani (CDU) will mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und seinen Länderkollegen über politische und rechtliche Lösungen für das Problem der „Facebook-Partys“ beraten.

          Eine von 69 Festnahmen in Numborn
          Eine von 69 Festnahmen in Numborn : Bild: dapd

          Flashmobs auch bei CDU-Ortsverbänden

          Anfang Juli hatte Toscanis Parteifreund, der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann ein Verbot solcher Partys gefordert. Anlass war die aus dem Ruder gelaufene Geburtstagsfeier der 16 Jahre alten Tessa aus Bramfeld bei Hamburg. Das Mädchen hatte aus Versehen für eine Geburtstagseinladung im Haus der Eltern auf ihrem „Facebook“-Profil den Button „öffentlich“ statt „privat“ angeklickt. Millionen von Facebook-Nutzern konnten so Ort und Termin ihrer Geburtstagsparty erfahren.

          Gut 15.000 sagten ihr Kommen zu, mehr als 1500 ungebetene Gäste fanden sich tatsächlich in der Vorstadtidylle ein. Das friedlich begonnene Straßenfest endete mit Randalen. Ähnliche „Flashmob“-Partys fanden in Wuppertal und anderen Orten statt. Auch die CDU-Ortsverbände im hessischen Dietzenbach und in Hasloh in Schleswig-Holstein sind betroffen, weil Funktionäre dort offenbar in Unkenntnis der „Facebook“-Regeln öffentlich zu den Sommerfesten ihrer Partei Ende August eingeladen hatten. In beiden Orten haben sich schon Tausende Partygäste angemeldet.

          Die Verbotsforderung Schünemanns Anfang Juli, die auch von SPD-Politikern in den Ländern unterstützt wurde, stieß indes auf Kritik in den eigenen Reihen. So lehnte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), solche Verbote ab. Allein die Möglichkeit von Ausschreitungen rechtfertige kein Verbot. Im saarländischen Fall hatte ein Sechzehnjähriger unter dem Motto „Numborn Macht Party“ über Facebook an seinen Wohnort eingeladen - angeblich aus Versehen, wie er der Polizei sagte. Im Laufe des Abends wurden dann aus der Gästemenge heraus Polizisten und Anwohner angegriffen, eine Bushaltestelle verwüstet, Briefkästen abgeschlagen, Feuerwerkskörper gezündet und Flaschen geworfen.

          Auch „wildes Urinieren“ gehörte nach Polizeiangaben zu den Partyritualen. Zumindest bei den zur Feststellung der Personalien festgenommenen Gästen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren wird der Kater anhalten, wenn sie Post bekommen. „Viele der Teilnehmer werden sich auch über die hohen finanziellen Forderungen wundern, da Schäden in fünfstelliger Höhe mutwillig angerichtet worden sind“, heißt es bei der Polizei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona-Impfungen am Montag im Kölner Brennpunktstadtteil Chorweiler.

          Herkunft und Corona : Verdrängt, verdruckst, versäumt

          Pandemien sind keine gesellschaftlichen Gleichmacher, wie behauptet wurde. Die Corona-Krise zeigt, wie eng Armut und Krankheit miteinander verbunden sind. Das hätte man wissen können.
          Leuchtturm auf Hiddensee: Mecklenburg-Vorpommern ist für Urlauber noch nicht offen.

          Erste Öffnungen : Wo aus Urlaubsträumen Reisen werden

          Schleswig-Holstein macht den Pfingsturlaub möglich, anderswo sind Touristen noch nicht willkommen. Tests und Maske gehören meist zu den Ferien dazu, manchmal auch die Quarantäne. Ein Überblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.