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Facebook im Unterricht : Frau Effenberger gefällt dein Foto nicht

  • -Aktualisiert am

Immer in Verbindung mit den Lehrern und der Lerngruppe: Soll und darf Facebook im Unterricht genutzt werden? Bild: AP

Dürfen Lehrer mit Schülern über private Netzwerke im Internet kommunizieren? Was manchen Schülern hilft, führt anderswo zu Übergriffen. In Aachen bat ein Lehrer über Facebook eine Schülerin um Sex. Ein Fall für das Innenministerium.

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          Dass ihre Lehrerin im Klassenraum schimpfte, wenn Jessica etwas Falsches tat, das war die sächsische Gymnasiastin gewohnt. Eines Tages aber erhielt Jessica eine private Nachricht ihrer Englischlehrerin Kathrin Effenberger über das soziale Netzwerk Facebook. Beide waren dort miteinander „befreundet“, konnten also Fotos und Einträge des jeweils anderen sehen. Effenberger hatte ein Foto gesehen, auf dem die damals 13 Jahre alte Jessica mit einer Freundin auf zweideutige Weise posiert. Sie hielt ihre Hände vor die Brüste der Freundin und streckte die Zunge heraus. Effenberger drohte der Schülerin, deren Eltern zu informieren, wenn sie das – aus ihrer Sicht – unsittliche Foto nicht von ihrer Facebook-Seite entferne. Jessica reagierte empört über diese Einmischung ihrer Lehrerin in Privates: „Ich dachte: Was will die denn jetzt?“ Sie löschte zwar das kritisierte Bild, beendete aber auch die Freundschaft mit Effenberger.

          Die Lehrerin für Englisch und Russisch an einem Gymnasium im Großraum Dresden sagt, sie wolle ihre Schüler nicht nur unterrichten, sie wolle sie erziehen – auch darin, ihre Privatsphäre im Internet zu schützen. Dass ihre Schule einem Gespräch nur unter der Bedingung zugestimmt hatte, den Namen des Gymnasiums nicht zu nennen, zeigt aber, wie verfänglich es sein kann, wenn Lehrer mit ihren Schülern in privaten Netzwerken über das Internet kommunizieren.

          Ein Freizeitmedium

          In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist es Lehrern und Schülern mittlerweile verboten, dienstlich über Facebook zu kommunizieren. In Hessen plant das Kultusministerium kein Verbot, will aber durch eine Handreichung an die Lehrer klarmachen, dass Facebook ein Freizeitmedium sei und nicht geeignet, um schulische Inhalte zu verbreiten. In einer Umfrage der Technischen Universität Darmstadt und des Hessischen Rundfunks sprachen sich 60 Prozent der Eltern für ein Verbot von Facebook an Schulen aus. In Bayern wird Lehrern empfohlen, nicht mit ihren Schülern auf Facebook befreundet zu sein. Anlass dazu geben Vorfälle wie einst in Aachen. Dort schrieb ein Lehrer private Facebook-Nachrichten an eine 16 Jahre alte Schülerin. Die Gespräche wurden intimer und schließlich bat der Lehrer seine Schutzbefohlene um Sex. Die Schülerin ging zur Schulleitung, der Lehrer darf seitdem nicht mehr unterrichten.

          Auch in Sachsen, wo Jessica zur Schule geht, deutete zunächst alles auf ein Verbot der dienstlichen Nutzung von Facebook hin. Noch im Januar sagte ein Mitarbeiter des Kultusministeriums gegenüber der Zeitung „Dresdner Neueste Nachrichten“, man habe zu dem Thema bereits eine Handreichung für Lehrer erarbeitet. Diese liege nun beim sächsischen Innenministerium.

          Dort, sagt ein Sprecher, werde nun an einer Regelung für den außerdienstlichen Gebrauch von sozialen Netzwerken für alle Staatsbediensteten gearbeitet. Über diese Regelung wolle das Kultusministerium beraten, sobald sie vorliege. Wie eine Vorschrift für den außerdienstlichen Gebrauch von Facebook das dienstliche Verhältnis von Lehrern und Schülern betreffen soll, bleibt unklar.

          Ein Hilfsmittel

          Auch die 53 Jahre alte Lehrerin Effenberger schreibt Nachrichten an ihre Schüler auf Facebook. Bei Problemen können sich die Schüler bei ihr melden – auch wenn sie krank sind und Fragen zu den Hausaufgaben haben. Natürlich könne der Kontakt zu den Schülern auf Facebook auch Kriminelle reizen, sagt Effenberger. „Aber als Lehrer sollte man so viel Grips haben, nichts Böses zu tun.“

          Sie sieht Facebook als Hilfsmittel. Eine Schülerin aus Jessicas Klasse gründete vor zwei Jahren eine vertrauliche Gruppe auf Facebook, in der Schüler sich gegenseitig bei den Hausaufgaben helfen können. Auch Effenberger ist dort Mitglied. Allerdings können nur die Gruppenmitglieder die Inhalte lesen und teilen. Diese Einstellung ist Effenberger wichtig, sonst würde sie die Gruppe nicht nutzen.

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