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F.A.Z. exklusiv : Offenbar mehrere Ermittlungsfehler bei Jagd auf RAF-Terroristen

Hier in Cremlingen soll das Trio bewaffnet mit Panzerfaust und Kalaschnikow einen Geldtransporter überfallen haben. Bild: dpa

Seit Jahrzehnten sind drei RAF-Terroristen untergetaucht, seit 2011 sollen sie neun Raubüberfälle begangen haben. Jetzt wurde bekannt, dass Ermittler frühzeitig Hinweise auf einen Tatort hatten. Wie die F.A.Z. nun erfahren hat, gibt es noch weitere Ungereimtheiten bei der Fahndung.

          Die Ermittlungen der niedersächsischen Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit den drei früheren RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette, geraten immer stärker in die Kritik. Das Trio, das seit Jahrzehnten im Untergrund lebt, wird verdächtigt, allein seit 2011 für mindestens neun Raubüberfälle in Niedersachsen verantwortlich zu sein.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          In der vergangenen Woche hatte der Bund Deutscher Kriminalbeamter bereits kritisiert, dass sich „die Dienststellen in Niedersachsen gegenseitig behindern und wichtige Informationen verloren gehen“. Das Niedersächsische Landeskriminalamt hatte die Kritik, die auch von niedersächsischen Kriminalbeamten geteilt wird, energisch zurückgewiesen.

          Nach Informationen der F.A.Z. gibt es in niedersächsischen Polizeikreisen jedoch auch inhaltliche Kritik an den Ermittlungen. Sie bezieht sich auf den mutmaßlich jüngsten Raubüberfall in Cremlingen am vergangenen Samstagnachmittag, bei dem das mit Panzerfaust und Kalaschnikow bewaffnete Trio einen Geldtransporter und ein „Dänisches Bettenlager“ ausraubte und dabei eine sechsstellige Summe erbeutete.

          Verzögerung bei Ermittlung „völlig unverständlich“

          Aus Polizeikreisen heißt es, schon kurz nach dem Überfall sei die Spurensicherung am Tatort unterbrochen und erst etwa 36 Stunden später wiederaufgenommen worden. Das sei angesichts der Dringlichkeit der Fahndung „völlig unverständlich“.

          Die ehemaligen Terroristen Burkhard Garweg (l-r), Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette sollen für mehr als acht Überfälle verantwortlich sein.

          Eine weitere Kritik bezieht sich auf den Umgang der Ermittler mit einem Hinweis, der frühzeitig auf Cremlingen als mögliches Überfallziel hindeutete. Bereits Ende Mai hatte sich ein Zeuge gemeldet, der einen der früheren Terroristen in dem Einkaufsareal in Cremlingen erkannt haben wollte, wo später der Geldtransporter ausgeraubt wurde. Das Areal soll daraufhin von der Polizei observiert worden sein.

          Die Observation soll allerdings wegen Ressourcenknappheit abgebrochen worden sein. Über den Abbruch soll es intern erhebliche Auseinandersetzungen gegeben haben. Im Rückblick, so heißt es in Polizeikreisen, sei der Abbruch ein schweres Versäumnis gewesen. Dass es schon Ende Mai einen Hinweis auf Cremlingen gab, bestätigt auch die Staatsanwalt Verden. Dieser habe aber nur dem „Bereich Cremlingen“ gegolten und die Maßnahmen seien nicht aus Kapazitätsgründen abgebrochen worden.

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