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F.A.Z. exklusiv : Jeder Zweite im Osten für Ostquote

Dresdner Silhouette Bild: dpa

Nach einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung unterstützen viele in den neuen Bundesländern eine Ostquote. Im Westen ist nur jeder Vierte dafür.

          Jeder zweite Ostdeutsche wünscht sich eine Quote, damit Ostdeutsche entsprechend ihres Anteils an der Bevölkerung in wichtigen gesellschaftlichen Positionen vertreten sind. In Westdeutschland ist hingegen nur jeder Vierte für eine solche Ostquote. Das hat eine repräsentative Umfrage des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) ergeben, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Obwohl rund 17 Prozent der Bundesbürger aus Ostdeutschland stammen, sind Ostdeutsche laut einer Studie von 2017 nur zu 1,7 Prozent in den Spitzenpositionen von Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur vertreten. So gibt es an den Hochschulen keinen Rektor aus Ostdeutschland, in den Bundesbehörden beträgt der Anteil der Ostdeutschen unter den Abteilungsleitern nur drei Prozent. An den Gerichten in Ostdeutschland stammen 30 Jahre nach der Einheit nur 13 Prozent der Richter aus dem Osten, in den Behörden der neuen Länder sind nur ein Viertel der Abteilungsleiter Ostdeutsche.

          Die Zahlen der Umfrage zeigten, dass die Bürger in Ostdeutschland „ein Gespür  dafür haben, dass die Vertretung in Spitzenpositionen nicht nach Eignung erfolgt, sondern Ostdeutsche benachteiligt werden“, sagte der Bundestagsabgeordnete Matthias Höhn (Die Linke) der F.A.Z. Es könne hilfreich sein, durch Quoten oder Förderung dem entgegenzuwirken. Eignung solle natürlich weiterhin für die Besetzung von Stellen entscheidend sein. In der Regel werde sich aber für den Bewerber aus Westdeutschland entschieden. „Ich bezweifle, dass Ostdeutsche in der Regel nicht geeignet sind“, sagte Höhn.

          Am Freitag hatte die Linke im Bundestag gefordert, in den Bundesbehörden Ostdeutsche besser zu berücksichtigen. Das Grundgesetz sehe nach Artikel 36 vor, dass in obersten  Bundesbehörden „Beamte aus allen Ländern in angemessenem  Verhältnis zu verwenden“ seien, sagte der frühere Vorsitzende Gregor Gysi. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung Christian Hirte (CDU) lehnte eine Quote ab. Es sei nicht klar, wie ostdeutsch definiert werden könne.

          Bei der Studie des DeZIM wurden 2434 Personen danach gefragt, ob sie eine Ostquote befürworten, 1536 in West- und 898 in Ostdeutschland. Insgesamt waren 28 Prozent für eine Ostdeutschenquote, 69 dagegen, drei Prozent hatten keine Meinung. In Westdeutschland waren 24 Prozent für die Quote, in Ostdeutschland  48 Prozent – genauso viele waren dort dagegen.

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