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F.A.Z. exklusiv : FDP-Politiker kritisieren Umbau des KSK

Sanitäter des Sanitätsspezialzuges vom Kommando Spezialkräfte (KSK) bereiten sich auf ein Übungszenario in Calw vor (Archivbild) Bild: Bundeswehr/Jana Neumann

Die Wehrexperten der FDP fordern ein einheitliches Kommando für alle Spezialkräfte der Bundeswehr nach amerikanischem Vorbild. Die Ausbildung außerhalb des KSK sei „nicht zielführend“.

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          In den Reihen der Liberalen formiert sich Widerstand gegen den Umbau des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr. Das geht aus einem Positionspapier der FDP-Verteidigungspolitiker hervor, das unter Federführung ihrer Sprecherin Marie-Agnes Strack-Zimmermann erarbeitet wurde, am Dienstag kommender Woche beschlossen werden dürfte und vorab der F.A.Z. vorliegt. Im Kern kritisieren die Verfasser die Zersplitterung der Spezialkräfte über die gesamte Bundeswehr. Neben dem Kommando Spezialkräfte des Heeres gibt es noch ein eigenes Kommando Spezialkräfte der Marine sowie Spezialkräfte der Luftwaffe in einer Staffel des Hubschraubergeschwaders 64. Durch die beschlossene Ausgliederung der Ausbildung aus dem KSK im Zuge der rechtsextremen Vorfälle dort dürfte dieser Zustand sich noch verstärken.

          Die Verfasser des Entwurfs wenden sich gegen diese weitere Fragmentierung, die international unüblich ist und von manchem im Umkreis des KSK als „Sargnagel“ bewertet wird. Dadurch würden „Verantwortung verstreut, Prozesse verlangsamt“ und „Kontrolle erschwert“, heißt es in dem Papier. Stattdessen sollten alle Spezialkräfte inklusive ihrer Unterstützungskräfte in einem „Kommando Spezialoperationen der Bundeswehr“ zusammengeführt und ihre Operationen künftig zudem von einem „Kommando Führung Spezialoperationen“ aus gelenkt werden. Im Verteidigungsministerium sollte künftig ein „Nationaler Direktor für Spezialoperationen“ im Generalsrang inklusive eigener Unterabteilung für alle Belange der Eliteeinheiten zuständig sein. Gegenwärtig würden im Bendlerblock die Belange der Spezialkräfte „nicht adäquat umgesetzt.“

          Den Nachwuchs selbst auswählen

          Die Pläne der Fachpolitiker orientieren sich an Vorbildern westlicher Bündnispartner. Die Vereinigten Staaten und Frankreich verfügen über entsprechende Kommandos zur Führung aller Eliteeinheiten im Regelbetrieb und in laufenden Operationen. In Großbritannien sitzt im Verteidigungsministerium zudem ein „Director of Special Forces“.

          Ferner fordern die FDP-Politiker, dass die Spezialkräfte weiterhin ihren Nachwuchs durch erfahrene Angehörige selbst auswählen können. Die Pläne des Verteidigungsministeriums, das ein Stück weit zu ändern, seien „nicht zielführend“. Die Ausbildung des Führungspersonals solle zudem künftig an einer eigenen Schule erfolgen, vergleichbar mit der John F. Kennedy Special Warfare School der amerikanischen Streitkräfte. Weltweit gelte der Grundsatz, dass Spezialkräfte nur von Spezialkräften geführt werden könnten. „Dies kann bei der Bundeswehr derzeit nur ungenügend berücksichtigt werden.“

          Auch mit den häufigen Wechseln an der Spitze der Elitesoldaten müsse Schluss sein. Seit 1996 habe das KSK zehn Mal den Kommandeur gewechselt – die Polizei-Eliteeinheit zum Vergleich erst sieben Mal seit 1972. Ein Kommandeur müsse künftig fünf Jahre an der Spitze des Verbandes stehen. Mindestens.

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