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Extremismus in der Bundeswehr : KSK-Hauptmann richtete Hilferuf an Kramp-Karrenbauer

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Spezialkräfte der Bundeswehr seilen sich im Sommer 2018 im Rahmen einer Vorführung für Besucher vom Gebäude des Militärischen Museums ab. Bild: dpa

Ein Offizier des Kommandos Spezialkräfte gibt mit einem Schreiben Sorgen um rechtsextreme Tendenzen in der Eliteeinheit neue Nahrung. Einige Fragen bleiben aber offen.

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          Ein Offizier des Kommandos Spezialkräfte (KSK) hat sich in einem Brief an Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gewandt und die Sorge um rechtsextreme Tendenzen in der Eliteeinheit der Bundeswehr verstärkt.

          Wie der Spiegel, dem der Brief vorliegt, berichtet, soll das Schreiben Anfang Juni an Kramp-Karrenbauer gegangen sein. In ihm soll der Offizier darauf hingewiesen haben, dass innerhalb seiner Einheit rechtsextreme Tendenzen geduldet und vertuscht würden. In dem Schreiben, das unterschiedlichen Quellen zufolge zwischen zwölf und 14 Seiten umfassen soll, soll der Offizier auch Beispiele nennen. So habe ein Ausbilder als Identifzierungscode „Y-88“ benutzt. Der Buchstabe „Y“ ist das Kennzeichen der Bundeswehr im Straßenverkehr. Die Zahl 88 steht in rechtsextremen Kreisen als Code für „Heil Hitler“. Der Ausbilder wurde 2019 wegen seiner Nähe zur Identitären Bewegung aus dem KSK entlassen.

          Die Ministerin bittet der Hauptmann laut „Spiegel“ darum, die Missstände zur Chefsache zu machen. Es habe sich ein nicht austrockenbarer Sumpf innerhalb des KSK entwickelt, dieser sei „tiefgreifender und struktureller als derzeit im Ministerium bekannt sein dürfte“. Die Führung des KSK sei mit der Aufklärung „offenbar überfordert“. Zudem würden Disziplinarstrafen dafür genutzt, „um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen“. Auch er persönlich sei von „harschen Maßnahmen“ betroffen gewesen.

          Wie der „Spiegel“ weiter berichtet, soll der Offizier seit 2018 im KSK sein. Das würde demnach bedeuten, dass er sich noch in der Ausbildung befindet und zuvor schon in anderen Bereichen der Bundeswehr tätig war.

          Inwiefern der Offizier in seinem Schreiben auf aktuelle Fälle Bezug nimmt oder sich lediglich auf vergangene bezieht, geht aus dem Bericht des „Spiegel“ nicht hervor. Offen bleibt, wie der Offizier zu dem Brief seines Kommandeurs, Brigadegeneral Markus Kreitmayr, steht. Der hatte im Mai in einem Schreiben an sämtliche Angehörigen des rund 1000 Soldaten starken Verbands sämtliche Extremisten aufgefordert, den Verband zu verlassen. „Sie verdienen unsere Kameradschaft nicht!“, schrieb Kreitmayr. „Sie gehören nicht zu uns!“ Die Gemeinten sollten das Kommando und die Bundeswehr aus freien Stücken verlassen. „Tun Sie es nicht, werden Sie feststellen, dass wir Sie finden und entfernen werden!“

          Kreitmayr hatte den Brief verfasst, nachdem vor einigen Wochen ein KSK-Soldat festgenommen worden war, der ein Waffenlager angelegt und rechtsextreme Symbole gezeigt haben soll. Offen ist auch, wie der Offizier zu der Taskforce steht, die Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer Ende Mai eingesetzt hat. Ihr gehören eine Reihe ranghoher Mitglieder an: Aus dem Ministerium selbst sind das Generalinspekteur Eberhard Zorn und der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Gerd Hoofe. Hinzu kommen aus der Bundeswehr Heeresinspekteur Alfons Mais und KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr. Von Seiten des Parlaments begleitet die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) die Gruppe.

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