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Folgen des Lockdowns : Wie groß ist der Schaden bei den Schülern?

Rückkehr mit viel Abstand: Unterricht in Bad Krozingen in Baden-Württemberg Bild: dpa

Drei renommierte Bildungsexperten plädieren für Lernstandserhebungen zum Schulstart – um Schülern gezielt und individuell Unterstützung zu bieten, wo es nötig ist.

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          Nichts bringt Virologen und Politiker so ins Schlingern wie die Frage nach den Schulöffnungen und die Rückkehr zum Präsenzunterricht nach den Sommerferien. Wechselnde Studien und deren Ergebnisse, die Eigenmächtigkeit der Gesundheitsämter, die Schulen offen lassen oder schließen zu können, ergeben eine explosive Mischung, in der sich nur sagen lässt, was drei ehemalige Bildungspolitiker in einer Stellungnahme der Heinrich-Böll-Stiftung bekräftigen: „Ziel aller Schließungsmaßnahmen und Hygienepläne konnte nie sein, jegliche Infektionen zu verhindern, sondern Infizierte zügig zu erkennen“ und Infektionsausbrüche beherrschbar zu halten. Eine regelmäßige Testung von Schulen und Kitas müsse mit ihrer Öffnung „zwingend einhergehen“.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Der frühere Berliner Schul-Staatssekretär Hans-Jürgen Kuhn (Grüne), die frühere Bildungssenatorin Sybille Volkholz (Grüne) und der frühere Hamburger Staatsrat Michael Voges haben eindringlich daran erinnert, dass die elementare Bedeutung von Kitas und Schulen für Kinder und Jugendliche in den vergangenen Wochen unterschätzt worden sei.

          Für das kommende Schuljahr schlagen die Autoren deshalb eine individuelle Feststellung des Lernstandes bei jedem einzelnen Kind vor. Entsprechende Tests und diagnostische Instrumente gebe es in jedem Land. Vergleichsarbeiten wie Vera in den Jahrgängen 3 und 8 sollte man gezielt dazu nutzen, den Lernstand festzustellen, und sie nicht etwa aussetzen. Doch aus den Tests muss auch etwas folgen, und dann wird es schon schwierig: Gezielte individuelle Unterstützungsangebote, Tutorenprogramme, für die Lehramtsstudenten und andere Studenten gewonnen werden müssten, schlagen die Autoren vor.

          Völlig in den Hintergrund getreten sind auch alle Inklusionsanstrengungen. Was geschieht bei Jugendlichen mit Behinderungen, die in diesem Herbst von der Schule in die Ausbildung wechseln wollten? Denn die Betriebe bieten schon nichtbehinderten Jugendlichen kaum Ausbildungsplätze an. Von der Kultusministerkonferenz über die Bildungsministerien und Schulverwaltungen der Länder bis zu den Schulaufsichten und den Schulleitungen müssten alle ihrer Steuerungsverantwortung gerecht werden. Das heißt für die Autoren konkret: klare und verbindliche Standards und politische Vorgaben für den Fernunterricht, falls weitere Infektionen ihn wieder nötig machen sollten, aber auch für das Verhältnis von Präsenz- und Fernunterricht, für die Erreichbarkeit und die Rückmeldungen von Lehrern für Schüler und eine Rechenschaftslegung gegenüber der Schulöffentlichkeit und der Schulaufsicht. Die Qualitätsrahmen in den Ländern müssten ergänzt werden durch Maßstäbe für den Distanzunterricht.

          In den Ländern sollte verbindlich vorgegeben werden, dass „ein fester Stamm an Lehrkräften über eine zertifizierte Kompetenz zur Entwicklung und Steuerung digital gestützter Lernprozesse verfügen muss. Die Festlegung der dafür erforderlichen Kompetenzen und Standards sollte länderübergreifend im Rahmen der Umsetzung der KMK-Strategie ,Bildung in der digitalen Welt‘ erfolgen.“ Wenn die Schule die Lehrer mit einschlägiger Expertise festgestellt hat, könne sie ihren Antrag für die Mittel des Digitalpakts schreiben, wenn das noch nicht geschehen ist. Falls Fortbildungen für Lehrer nötig seien, müssten sie im Schuljahr stattfinden und vor allem Fernunterricht üben.

          Nur so könne gesichert werden, dass die Schulen auch mit weiteren pandemiebedingten Schließungen umgehen könnten. Kinder und Jugendliche hätten durch monatelangen Ausschluss von ihren Bildungseinrichtungen Verluste erlebt und Schäden erlitten, die nun ausgeglichen werden müssten. „Diese Aufgabe ist prioritär und nicht aufschiebbar“, so der Appell.

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