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Schulbeginn mit Corona : Das Experiment

Schulbetrieb mit Abstand im Juni in Baden-Württemberg. Bild: dpa

Die Deutschen machen gerade keine gute Figur im Kampf gegen das Virus. Nun bricht inmitten steigender Infektionszahlen das neue Schuljahr an – es ist wichtig, dass es kein verlorenes wird. Sonst würde Corona die Ungleichheit noch verstärken.

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          Wenn die Schulen an diesem Montag in Mecklenburg-Vorpommern wieder öffnen, dann beginnt nicht nur ein neues Schuljahr. Es ist der Anfang eines Experiments, und der Versuchsaufbau hat es in sich. Mitten in einer Phase, in der die Zahl der Corona-Infizierten wieder steigt, proben die Schulen einen neuen Normalbetrieb. Erst im Nordosten, danach in Hamburg, dann in Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Die Schüler werden in Gruppen eingeteilt, damit sie sich nicht mischen – so wollen die Verantwortlichen das Virus kleinhalten, wenn es doch einmal auftaucht.

          Niemand weiß, ob das funktionieren wird, ob die Hygienekonzepte etwas taugen, ob sich alle daran halten. Zweifel sind angebracht, denn überall im Land fehlt es gerade an der nötigen Disziplin im Umgang mit Corona. Man muss nicht einmal die irrlichternden Demonstranten vom Wochenende in Berlin als Zeugen dafür aufrufen, dass Unvernunft und mangelnde Rücksichtnahme in manchen Kreisen nicht nur toleriert, sondern geradezu eingefordert werden.

          Die gefühlte Normalität des Alltags ist trügerisch

          Auch jenseits dieser sinistren Kreise machen die Deutschen gerade keine gute Figur, wenn es darum geht, die Hygieneregeln einzuhalten. Die unliebsame Alltagsmaske bleibt immer häufiger in der Tasche. Doch das Virus bleibt gefährlich. Die gefühlte Normalität des Alltags ist trügerisch.

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          Für die Schüler, die auf eine möglichst gute Bildung angewiesen sind, ist diese Entwicklung gefährlich. Zum einen fehlt es gerade vielerorts an Vorbildern. Wie sollen Eltern ihrem Kind überzeugend klarmachen, dass die neuen Regeln in der Schule wichtig sind, wenn Demonstranten gerade munter das Signal aussenden, dass man dem Staat in Sachen Corona den Mittelfinger zeigen kann? Vor allem ist den jungen Menschen zu wünschen, dass dieses Schuljahr kein verlorenes Jahr wird. Schon die zurückliegenden Monate haben es ihnen schwergemacht, nicht jede Familie konnte auffangen, was Lehrer und Pädagogen jeden Tag leisten. Ginge das so weiter, wären gerade die Schüler aus sozial schwachen Familien die Leidtragenden. Dann würde Corona die Ungleichheit noch verstärken.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

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