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Früherer SPD-Vorsitzender : Gabriel nennt Nahles-Rückzug „großen Verlust“

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Entdeckt plötzlich seine Sympathie für Andrea Nahles: Sigmar Gabriel, hier auf einem Archivbild aus dem Februar 2018 Bild: dpa

Als sie noch SPD-Vorsitzende war, fand Sigmar Gabriel oft kein gutes Wort für Andrea Nahles. Jetzt bedauert er ihren Rückzug. Und gibt eine klare Empfehlung für das SPD-Casting ab.

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          Bei der Suche nach einem neuen Spitzenduo für die SPD hat sich der frühere Parteichef Sigmar Gabriel hinter das Kandidatenduo Boris Pistorius und Petra Köpping gestellt. „Beide haben feste Wurzeln in der Kommunalpolitik, sind nah am Alltag der Menschen und deshalb gut geerdet. Das braucht die SPD jetzt und es wäre ein echter Neubeginn“, sagte Gabriel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der frühere Außenminister stammt wie Landesinnenminister Pistorius aus Niedersachsen.

          Mit Blick auf seine eigene Zeit als Parteichef gestand Gabriel Fehler ein. Er habe aber stets mit offenem Visier und ohne die in Berlin verbreitete Heckenschützenmentalität gekämpft. „Ich habe immer gedacht, dass Klarheit wichtig ist und wollte nicht taktisch nachgeben, nur damit sich niemand vergrault fühlt. Aber das war sicher nicht immer gewinnend, um es mal zurückhaltend auszudrücken.“ Kritik äußerte Gabriel an seinen damaligen Vizechefs. „Mein Eindruck war: Ich hatte gar keine echten Stellvertreter“, sagte Gabriel dem RND. „Einer fühlte sich mehr als Vertreter des linken Parteiflügels, der nächste saß dort als Statthalter seines großen Landesverbandes, der dritte verfolgte seine eigenen Kanzlerambitionen und so weiter.“ Er selbst sei in seinen letzten Jahren als Vorsitzender immer häufiger mit Magendrücken zu den Gremiensitzungen gefahren.

          Einzig Andrea Nahles sei es zuerst um die SPD gegangen. Ihren Rückzug von der Parteispitze bezeichnete Gabriel als „großen Verlust“ für die Partei. „Obwohl ich nicht mit ihr befreundet bin, fand ich es bitter, mitansehen zu müssen, wie ein Engagement dieser Größe so enden konnte“, sagte Gabriel. Der frühere Wirtschaftsminister und Vizekanzler hatte Nahles allerdings oft harsch kritisiert.

          Zu seinem Posten als niedersächsischer Ministerpräsident sagte Gabriel: „Wenn Sie mit 40 Jahren gefragt werden, ob sie so ein Amt übernehmen wollen, müssen Sie schon übermenschliche Größe haben, um da abzusagen. Die hatte ich zugegebenermaßen nicht.“ Er habe damals leichtsinnig gedacht, das Amt des Ministerpräsidenten sei im Grunde nicht viel anders als das des Fraktionschefs im Landtag. „Das war ein großer Irrtum.“ Gabriel feiert am Donnerstag seinen 60. Geburtstag.

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