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Ex-Grüner kämpft um CDU-Wahlkreis : Metzgers zweite Heimat

Bild: AP

Nun wird es ernst für Oswald Metzger: Ein gutes halbes Jahr nach seinem Austritt bei den Grünen will er sich vom CDU-Kreisverband Biberach zum Bundestagskandidaten wählen lassen. Vier Konkurrenten wollen den Durchmarsch verhindern.

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          Am Abend wird sich in der Stadthalle im oberschwäbischen Biberach entscheiden, ob Oswald Metzger eine zweite politische Karriere vor sich hat: Der 53 Jahre alte Politiker war im vergangenen Herbst wegen des sozialpolitischen Kurswechsels bei den Grünen ausgetreten. Im Frühjahr nahm der CDU-Kreisverband Biberach Metzger als Mitglied auf. Nun will er immerhin vier Konkurrenten aus dem Feld schlagen und sich von mehr als tausend CDU-Mitgliedern zum Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 292 (Biberach) nominieren lassen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Eine Entscheidung für Oswald Metzger, an die in der baden-württembergischen CDU und auch in Biberach nur wenige glauben, wäre eine Sensation: Nicht weil ein weiteres Mal die Nähe von Schwarzen und Grünen offenkundig würde, sondern weil Metzger gegen alle ungeschriebenen Gesetze der Parteiendemokratie verstoßen hat: Als er bei den Grünen austrat, formulierte er sein wichtigstes Ziel, nämlich wieder Bundestagsabgeordneter zu werden, was er von 1994 bis 2002 für die Grünen war.

          Eindruck politischer Beliebigkeit

          Mit welcher Partei er dies schaffen wollte, ließ er offen. Das nährte den Eindruck politischer Beliebigkeit, was für Neumitglieder in Parteien eine Todsünde ist. Metzger ließ es damit nicht genug sein, er kritisierte in den Monaten darauf auch noch die CDU und empfahl ihr, das wirtschaftsliberale Profil zu schärfen. Außerdem stellten viele CDU-Funktionäre die Frage, warum sie Metzger aufnehmen sollten, wenn der sich noch nicht einmal mit einem Mann wie dem grünen Fraktionsvorsitzenden Winfried Kretschmann vertrage.

          Im Blickpunkt der Medien: Oswald Metzger
          Im Blickpunkt der Medien: Oswald Metzger : Bild: dpa

          Kretschmann lebt auch in Oberschwaben und gilt in der katholisch geprägten Region zwischen Sigmaringen und Biberach als verlässlicher und wertkonservativer „Grünschwarzer“. In der Biberacher CDU war man also schon über Metzgers Aufnahmeantrag wenig begeistert, vor allem weil viele glaubten, ein illoyales neues Parteimitglied schade mehr als es nütze. Aufgenommen wurde Metzger dann dennoch.

          In den vergangenen Wochen unternahm Metzger jedoch eine Menge, um für seine Kandidatur zu werben: Fast jeden Abend diskutierte er in den Gasthäusern mit den Bürgern über Steuerreformen oder Demographie. 200 Mitglieder sind in den CDU-Kreisverband Biberach vermutlich aufgrund Metzgers Bemühungen eingetreten. Sogar den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhoff holte er zu einem Frühschoppen nach Oberschwaben.

          Beliebt bei Freiberuflern und Unternehmern

          Das „Establishment der CDU“, das hat Metzger mehrfach behauptet, lehne ihn ab. Freiberufler, Unternehmer, Anwälte - CDU-Mitglieder, die der in Bad Schussenried aufgewachsene Politiker zum Teil seit seiner Jugend kennt, versprechen sich von ihm jedoch eine Belebung des politischen Betriebs. Neben Metzger streben auch der Biberacher CDU-Kreisvorsitzende Josef Rief, die Verwaltungswirtin Carmen Bogenrieder, der Finanzwirt Christoph Burandt sowie der Bad Buchauer Bürgermeister Peter Diesch eine Nominierung als Wahlkreisdirektkandidat an. Als gewählt gilt, wer mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen kann, entscheidend sind deshalb die Stichwahlen.

          In der Landes-CDU war mit Verwunderung registriert worden, dass Metzger sich auf den Wahlkreis Biberach versteift hatte und dass er seine Entscheidung trotz sehr guter Kontakte zu führenden Landespolitikern ohne Vorgespräche getroffen hatte. Nominieren die CDU-Mitgliedern Metzger wider Erwarten für den sicheren Bundestagswahlkreis, wäre das kein Votum für schwarz-grüne Koalitionen, sondern eine Absage an den Parteinachwuchs, der nun einmal so ist, wie er ist. Zumindest etwas Spannung verspricht die Mitgliederversammlung, weil der CDU-Kreisvorsitzende Rief nach dem Geschmack vieler CDU-Mitglieder zu selbstverständlich mit seiner Aufstellung gerechnet hat.

          Sollte Metzger von der CDU nicht nominiert werden, muss er weiter als politischer Handlungsreisender durchs Land ziehen und für Reformen werben. Der Oberschwabe hat hieraus ein einträgliches Geschäft gemacht, mehrere tausend Euro zahlen Firmen und Institutionen für einen Vortrag des schwarz-grünen Paradiesvogels aus der oberschwäbischen Provinz, obwohl Metzgers Botschaften eigentlich hinreichend bekannt sein dürften.

          Häufiger in Talkshows als im Parlament

          Diesen Weg hat er selbst gewählt: Denn 2002 verzichtete er auf eine Kandidatur zum Bundestag, weil er ausschließlich einen vorderen Platz auf der Landesliste wollte. 2006 zog er mit einem sehr guten Ergebnis in den baden-württembergischen Landtag ein, machte als Haushälter aber wenig von sich reden. Vom damaligen Finanzminister Stratthaus (CDU) musste er sich vorwerfen lassen, dass er häufiger in Berliner Talk-Shows als im Stuttgarter Parlament zu sehen sei.

          An Sympathiebekundungen der baden-württembergischen CDU zugunsten der wertkonservativen Grünen mangelt es keineswegs: Ob sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Mappus oder Ministerpräsident Oettinger über die Grünen äußern, immer schwingt Anerkennung für den unkonventionellen Wertkonservativismus des grünen Landesverbandes mit. In Oberschwaben erinnern sich viele aber noch an Metzgers Artikel in der linken Zeitschrift „Motzer“ und die Wahlkämpfe, die er gegen die CDU geführt hat. „Die Guten gehen zu den Grünen, die Schlechten kommen zu uns“, hat der frühere Landrat Wilfried Steuer kürzlich gesagt. Aus Steuers Sicht ist Metzger kein Guter.

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