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Werner Mauss vor Gericht : Größter Geheimagent aller Zeiten

Ein anderer großer Agent: Leslie Nielsen in „Die nackte Kanone 2½“ Bild: ddp Images

Jahrzehntelang genoss Werner Mauss einen sagenhaften Ruf als Geheimagent. Jetzt steht er vor Gericht - auch an diesem Montag. Hat er Steuern hinterzogen? Oder nur unermüdlich Deutschland und die Welt gerettet? Bald tritt ein wichtiger Zeuge auf.

          Werner Mauss kommt auch an diesem Prozesstag wieder schnell ins Schwärmen über sich und seine großen Taten. Jahrzehntelang habe er im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und die internationale Kriminalität „24 Stunden lang, Tag und Nacht“ sein Leben riskiert. Auch im mehr als 50 Jahre von einem Guerrillakrieg geschüttelten Kolumbien „haben wir Enormes geleistet“. Daran habe dann der kolumbianische Präsident Santos anknüpfen und ein Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen aushandeln können. „Dafür hat er nun den Friedensnobelpreis bekommen.“

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Anerkennung, Lobpreis, Verehrung hätte sich auch Mauss gewünscht. So wie früher, als ihn manche Medien als „Deutschlands größten Geheimagenten“ feierten, weil sein Name mit vielen spektakulären Fällen in Verbindung gebracht wurde. Mauss soll an der Festnahme eines RAF-Terroristen beteiligt gewesen sein und an der Freilassung deutscher Geiseln im Libanon. Verschwundene Fässer des Seveso-Gifts soll er ebenso aufgespürt haben wie den entführten Leichnam des Unternehmers Friedrich Karl Flick. Im Laufe seiner langen Karriere arbeitete Mauss, der sich nach seiner Lehre als Landwirt zum Kriminalsachverständigen umschulen ließ und dann zunächst als Privatdetektiv in Scheidungsangelegenheiten und Fällen von Versicherungsbetrug tätig war, auch für Bundesbehörden wie das Bundeskriminalamt oder den Bundesnachrichtendienst. Es gab Zeiten, da nannten Sicherheitsbeamte den Pionier der verdeckten Ermittlungsarbeit ehrfürchtig „Institution M.“.

          Undank ist der Welten Lohn

          Mauss war sich seiner Bedeutung stets bewusst. In einem Schreiben an den damaligen BND-Präsidenten zog er 1996 Zwischenbilanz: „Insgesamt konnten durch meine Einsätze nachweisbar mehr als 1600 Personen einer Festnahme zugeführt werden.“ Doch Undank ist der Welten Lohn. Seit einigen Jahren kämpft Mauss gegen „eine Handvoll Journalisten“, die „aus unterschiedlichen, meistens kriminellen Motiven“ Desinformationen über ihn verbreiteten, wie er auf seiner Website schreibt.

          Und nun geht auch noch der Staat gegen ihn vor, für den er sich nach eigenem Bekunden immer so ins Zeug geworfen hat. Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft Mauss vor, mehrere seiner Tarnidentitäten genutzt zu haben, um ein kunstvolles Geflecht von Stiftungen, Nummernkonten und Versicherungen zunächst auf den Bahamas und später in Luxemburg aufzubauen. Die enormen Kapitalerträge dieser von unbekannten Finanziers immer wieder aufgefüllten Geldvermehrungsmaschine soll Mauss nicht versteuert haben. Allein im Zeitraum von 2002 bis 2011 sind dem Fiskus nach Überzeugung der Ermittler mehr als 15 Millionen Euro entgangen.

          Seit Ende September muss Mauss regelmäßig montags nach Bochum kommen, um sich in einem schmuck- und fensterlosen, bis unter die Decke mit braunem Holz vertäfelten Saal des Landgerichts nicht einfach nur gegen den schnöden Vorwurf der Steuerhinterziehung zu verteidigen. Nein, nach seiner Einschätzung geht es in Bochum um nichts Geringeres als sein Lebenswerk. „Wer hätte gedacht, dass ich mich dafür mal rechtfertigen muss?“, fragt der Geheimagent das Gericht empört, als er am dritten Verhandlungstag sein Schweigen bricht. Fassungslos machen Mauss all jene Bürokraten, die nicht begreifen wollen, dass ein Meister seines Fachs wie er Freiraum braucht, um überhaupt im Dienste des Guten wirken zu können.

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