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Werner Mauss vor Gericht : Größter Geheimagent aller Zeiten

Wie Richter van den Hövel die Einlassungen des Angeklagten Mauss versteht, macht er mittlerweile nicht nur durch seine Fragen deutlich. Wenn Mauss sich wieder einmal in nebulösen Agentenerzählungen verliert, just jenen Themen ausweicht, die das Gericht interessieren, oder sich wieder einmal widerspricht, geht van den Hövel forsch dazwischen, spricht von „Grimms Märchen“ oder fühlt sich „wie im Fabelreich“. Der Richter warnt den Angeklagten, er spiele ein „gefährliches Spiel“, ihm drohe eine „massive Haftstrafe“.

Ein Gespür für Spannungsbögen kann man Mauss jedenfalls nicht absprechen. Mitte November teilte er dem Gericht überraschend mit, dass es sich beim Initiator des Geheimfonds um eine ranghohe deutsche Persönlichkeit gehandelt habe. Sie wolle auch aussagen, vorzugsweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Er sei jedenfalls an der Sache dran, versprach Mauss großzügig. Ende November hatte der Geheimagent dann schlechte Nachrichten für die Kammer: Sein zentraler Entlastungszeuge sei leider schon tot. Es handelte sich um Gerhard Boeden, der im Alter von 85 Jahren gestorben war – schon 2010. Boeden war stellvertretender Präsident des Bundeskriminalamts, 1987 wurde er Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Seit 1970 will Mauss eng mit ihm zusammengearbeitet haben. Boeden sei eine Vaterfigur für ihn gewesen und 1985 dann eben auch Vater des Fonds. Boeden habe die Idee gehabt, ihn durch einen Geheimbund ausländischer Dienste zu bezahlen. Deutsche Stellen hätten aber, darauf legt Mauss Wert, keine Mittel beigesteuert. Boeden habe gesagt: „Wir werden etwas einrichten, wo Sie nicht mehr angegriffen werden können.“ Er, Mauss, habe 1985 den Treuhandfonds bekommen, weil er „zuvor immer superehrlich“ gewesen sei. „Ich bin kein Betrüger.“ Er habe übrigens durchaus die Absicht gehabt, die Existenz des Geldes beim Finanzamt zu deklarieren, erläuterte Mauss im Plauderton. Doch Boeden habe ihm noch Anfang des neuen Jahrtausends untersagt, den Fonds zu deklarieren.

Geheim ist geheim

Van den Hövel wandte ein, Boeden sei damals doch schon in Pension gewesen. „Er hätte Ihnen gar nichts mehr gekonnt.“ Später wollte der Richter wissen, warum Mauss mit dem Fonds-Geld angeblich für Deutschland tätig wurde, obwohl doch in dem Topf gar kein deutsches Geld war. „Und wofür war der Fonds genau eingerichtet?“ Eine Antwort auf diese Fragen würde die Sache „dramatisch erleichtern“, fand der Richter. Aber der Agent konnte hier leider wieder einmal nicht ins Detail gehen. Geheim ist geheim. Nur so viel vermochte er preiszugeben: Der Fonds habe der „Kriminalitäts- und Terrorismusbekämpfung weltweit“ gedient. Nach Rücksprache mit seinen Finanziers habe er „an sehr sensiblen Stellen“ im Interesse der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Partnerländer mitgewirkt. „Zum Beispiel, wenn eine Aggression war, wenn man festgestellt hatte, dass jemand einen Anschlag plante, dann bin ich in die Bresche gesprungen.“

Auch das Gericht hat betrübliche Nachrichten für Mauss. Es geht um einen anderen Entlastungszeugen, einen ehemaligen israelischen Minister, den Mauss als „Sprecher“ des Fonds bezeichnet. Der Exminister antwortete unlängst per E-Mail, deren beglaubigte Übersetzung van den Hövel nun vorliest: „Ich war weder je Sprecher oder Vorstand der Treuhandgesellschaft, noch habe ich seinerzeit zu ihren Gründern gezählt. Ich bin leider nicht in der Lage, Licht in diese Sache zu bringen.“

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