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Auftritt in Stuttgart : Thomas Berthold spricht bei „Querdenken“-Demo

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Der frühere Fußballprofi und Weltmeister von 1990, Thomas Berthold, am Samstag bei der Demonstration in Stuttgart. Bild: Reuters

Auch diesen Samstag hat die Initiative „Querdenken 711“ zur Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen aufgerufen – und präsentiert mit Thomas Berthold einen berühmten Redner. Der Fußball-Weltmeister von 1990 fordert eine neue Partei.

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          Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen haben sich am Samstag in Stuttgart zu einer „Querdenken“-Demo versammelt. Die Polizei sprach am Nachmittag von mehreren Hundert Teilnehmern, die Veranstalter nannten die Zahl 5000. Zunächst hatten sich die Teilnehmer bei großer Hitze auf dem Marienplatz versammelt und zogen dann Richtung Innenstadt. Demonstranten zeigten Transparente mit Aufschriften wie „Mit Maske – Ohne Mich“ oder „Wir haben Euch durchschaut“. Sie skandierten „Freiheit, Freiheit“. Organisiert wurde die Demonstration von der Initiative „Querdenken 711“.

          Unter den Anwesenden fand sich auch prominente Unterstützung: Der Fußball-Weltmeister von 1990, Thomas Berthold, nahm im „#querdenken711“-T-Shirt an der Demonstration teil und stand selbst auf der Bühne: „Ich bin hier, genauso wie ihr, weil ich die Initiative Querdenken unterstütze“, verkündete der 55-Jährige in seiner Rede, von der Videoausschnitte auf Twitter zu sehen sind. Darin spricht er sich unter anderem gegen die Maskenpflicht und auch mögliche Medikation im Zusammenhang mit Corona aus: „Passt auf, was ihr einnehmt und was ihr einwerft.“

          „Unser altes Leben wieder zurück bekommen“

          Außerdem, erklärt Berthold, sei das Vertrauen in die politische Führung mittlerweile bei unter null angekommen, „weil wir hier Spekulationen von ein, zwei Wissenschaftlern oder Vertretern des RKI besudelt werden und unser Leben eingeschränkt wird. Ich möchte, dass wir unser altes Leben wieder zurück bekommen.“ Seinem Misstrauen verleiht Berthold auch dadurch Ausdruck, dass er die mögliche Gründung einer neuen Partei in den Raum stellt: „Ich sehe da überhaupt niemanden, den wir wählen können.“

          Der 55 Jahre alte Berthold spielte in seiner aktiven Karriere unter anderem für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart. Als Verteidiger absolvierte er 62 Länderspiele, 1990 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister in Italien. Nach seiner Laufbahn war Berthold unter anderem für mehrere Fernsehsender und Zeitschriften als Experte tätig. Der „Bild am Sonntag“ sagte der frühere Nationalspieler: „Ich mache mich weder mit Verschwörungstheoretikern noch mit Rechtspopulisten gemein, habe nur meine Meinung über die Maßnahmen der Regierung gesagt.“

          Eine Demo-Teilnehmerin hält in Stuttgart ein Schild mit „Mainstreammedia = wieder Holokaustkomplizen“ in die Luft.
          Eine Demo-Teilnehmerin hält in Stuttgart ein Schild mit „Mainstreammedia = wieder Holokaustkomplizen“ in die Luft. : Bild: AFP

          Die Polizei sprach am Nachmittag von einem ruhigen Verlauf. Die Teilnehmer seien bemüht, die geforderten Mindestabstände einzuhalten. In Berlin hatten am vergangenen Wochenende Tausende gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. Weil viele Demonstranten weder Abstandsregeln einhielten noch Masken trugen, hatte die Polizei die Kundgebung aufgelöst. Die Veranstalter kündigten in Stuttgart an, am 29. August wieder in Berlin demonstrieren zu wollen und luden dazu auch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) ein.

          Nach einer Umfrage lehnt eine große Mehrheit der Bevölkerung Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ab. In einer am Samstag veröffentlichten Befragung des Forsa-Instituts im Auftrag der Mediengruppe RTL gaben 91 Prozent an, kein Verständnis für die Proteste zu haben. Nur neun Prozent äußerten sich dem „RTL/ntv-Trendbarometer“ zufolge zustimmend. Eine klare Mehrheit (87 Prozent) war auch der Meinung, dass die Menschen, die gegen die Maßnahmen auf die Straße gehen, nur eine Minderheit der Bevölkerung repräsentieren.

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