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Kirchentag ohne AfD-Politiker : Protestantische Fatwa

Besucher am evangelischen Kirchentag im Mai 2017 Bild: dpa

Durch seine Fatwa hebt der Evangelische Kirchentag die AfD erst recht auf eine Bühne; und zwar auf eine, von der sie niemand herunterholen kann.

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          Im Grunde entscheidet jede Organisation selbst darüber, wie sie sich zu anderen Vereinigungen oder politischen Parteien verhält. So war vor vielen Jahren in der katholischen Kirche der Satz zu hören, die Grünen seien für Katholiken nicht wählbar. Man muss tatsächlich nicht mit jedem reden. Die Frage ist freilich, ob eine Veranstaltung wie der Evangelische Kirchentag gut beraten ist, AfD-Politiker generell auszuschließen.

          Der Kirchentag ist schließlich ein einziger „Markt der Möglichkeiten“ mit zahlreichen Diskussionsveranstaltungen – die oft kaum mit Kirche, aber viel mit Politik zu tun haben. Da ist es nicht ganz einfach zu vermitteln, warum man eine im Bundestag und in Landtagen vertretene Kraft von Debatten mit Vertretern aller anderen Parteien ausschließen will.

          Dem Veranstalter ist es ja unbenommen, genau darauf zu achten, welchen Politiker er einlädt. Nicht allzu viele von der AfD dürften sich der protestantischen Debattenkultur stellen. Durch diese Fatwa – im Kirchentagsdeutsch „klare Kante“ – hebt man die AfD erst recht auf eine Bühne; und zwar eine, von der sie niemand herunterholen kann.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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