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Evangelischer Kirchentag : Gauck diskutiert, Käßmann wird gefeiert

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Im Gespräch: Bundespräsident Joachim Gauck und Schauspiel-Student Samuel Koch Bild: dpa

Der evangelische Kirchentag hat seine inhaltliche Arbeit aufgenommen. Bundespräsident Gauck spricht mit dem querschnittsgelähmten Samuel Koch. Großes Interesse findet auch Margot Käßmann.

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          Überfüllte Messehallen und Politprominenz: Der evangelische Kirchentag in Hamburg hat am Donnerstag seine inhaltliche Arbeit zu religiösen und politischen Themen aufgenommen. Veranstaltungen mit prominenten Theologen wie Margot Käßmann oder mit Bundespräsident Joachim Gauck stießen auf großes Interesse; die größte Messehalle mit 7000 Menschen war überfüllt, nicht alle fanden Einlass.

          Gauck diskutierte mit dem Schauspiel-Studenten Samuel Koch, der seit einem Unfall bei „Wetten, dass..?“ querschnittsgelähmt ist, und anderen Teilnehmern über die Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft - unter dem Thema „Starke Gesellschaft“. Der Bundespräsident lobte die gute Stimmung auf dem Kirchentag. „Kirche stellt sich zu Hause nicht immer so bunt und vielgestaltig dar“, sagte er.

          Margot Käßmann:  „Ich wünsche mir, dass Christinnen und Christen Nervensägen sind.“

          Käßmann forderte die Christen auf, für mehr Gerechtigkeit einzutreten. „Gerechtigkeit ist und bleibt ein zentrales Thema“, sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). „Ich wünsche mir, dass Christinnen und Christen solche Nervensägen sind. Wenn es um Recht geht, um Menschenwürde, um Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.“ Käßmann erhielt immer wieder von den Zuhörern großen Beifall.

          117 000 Dauerteilnehmer fanden allein am Mittwoch ihren Weg in die Hamburger Messehallen.

          Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, beklagte im Rahmen seiner Bibelarbeit die weltweite Verfolgung von Christen. „Noch nie zuvor in der Geschichte wurden so viele Christen bedrängt und verfolgt wie in unseren Tagen“, sagte der Freiburger Erzbischof. Er forderte weltweit mehr Solidarität mit bedrängten Christen. Zu den Zuhörern gehörten Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, SPD-Fraktionschef Frank Walter Steinmeier - er ist auch Mitglied des Kirchentagspräsidiums - und der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider.

          Kirchentagsbesucher am Donnerstag auf einer Veranstaltung

          Im Deutschlandradio Kultur wies Schneider Forderungen von Kritikern zurück, die Kirche solle sich nicht in die politische Debatte einmischen: „Das geht gar nicht anders. Das Evangelium will die Welt verändern.“ Weiter sagte Schneider, innerhalb der evangelischen Kirche gebe es Überlegungen, einen europäischen Kirchentag auszurichten. Ein erster Schritt dazu sei etwa beim diesjährigen Kirchentag in Hamburg mit der Einladung von Partnerkirchen aus Europa getan worden.

          Der Kirchentag mit 117 000 Dauerteilnehmern war am Mittwoch mit vier Open-Air-Gottesdiensten eröffnet worden. Zum anschließenden „Abend der Begegnung“ in der Innenstadt kamen nach Angaben einer Sprecherin des Kirchentags 350 000 Menschen. Höhepunkt war der Abendsegen mit einem Lichtermeer um die Binnenalster.

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