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Europapolitik : Aufstieg und Fall der Esther Silvana Koch-Mehrin

Ein Plakat aus dem Wahlkampf für die Europawahl 2009 Bild: dpa

Die EU gilt nicht als Sprungbrett für Boulevardkarrieren - Silvana Koch-Mehrin schaffte es von Brüssel aus trotzdem in die bunten Blätter. Dass einige sie wegen der Plagiatsaffäre nun als faules Dummchen abstempeln, wird ihrer Marketingkunst nicht gerecht.

          Leute, die Esther Silvana Koch-Mehrin gut kennen, sagen, sie habe ein großes Talent: die Selbstvermarktung. In der Tat ist es schon ein Kunststück, wie es die FDP-Politikerin geschafft hat, sich just von Brüssel aus einen Stammplatz in den bunten Blättern und leichten Talkshows zu erarbeiten. Als Brutstätte für Boulevardkarrieren war der graue Technokratenbetrieb der EU bis zu ihrem Erscheinen nicht bekannt. Wie die Methode Koch-Mehrin funktionierte, konnte man an einigen ihrer größeren Fernsehauftritte studieren: Um EU-Themen ging es da selten und schon gar nicht um die sperrige Gesetzgebung, die eigentlich den Alltag des Europaabgeordneten ausmacht. Am wohlsten schien sie sich bei Fragen zu fühlen, die gar nicht zur Domäne des Politischen gehören, wie etwa der Kindererziehung. Eine hübsche junge Frau, Mutter von drei Töchtern, die mit viel Einfühlungsvermögen über die Alltagssorgen der Leute spricht – das war die Marke Koch-Mehrin.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Jetzt, da ihre Karriere wegen einer plagiierten Doktorarbeit in die Brüche geht, bekommt sie deswegen natürlich den Stempel des blonden, faulen Dummchens aufgedrückt. Aber das wird ihrer Marketingkunst nicht gerecht und auch nicht der wichtigen Rolle, die sie über Jahre hinweg für ihre Partei gespielt hat. „Sie hat sich nicht für das Gestalterische in der Politik interessiert, aber hart an ihrem Branding gearbeitet“, sagt jemand, der ihren Werdegang über Jahre hinweg miterlebt hat. In der modernen Mediengesellschaft ist das eine Leistung, auf die politische Parteien manchmal genauso angewiesen sind wie auf das Wissen von Fachpolitikern.

          Frau Koch-Mehrins großer Verdienst für die FDP besteht darin, dass sie die Partei nach zehn Jahren Abwesenheit 2004 wieder ins Europaparlament führte. Damals gerade 33 Jahre alt, wurde sie Spitzenkandidatin und überzog Deutschland mit Wahlplakaten, auf denen ein junges frisches Gesicht zu sehen war, das so gar nichts mit dem gängigen Klischee vom Opa zu tun hatte, der nach Europa abgeschoben wird. Die Partei dankte es ihr mit dem FDP-Vorsitz im Parlament und, nach einem noch besseren Ergebnis bei der Europawahl 2009, mit der Nominierung für das Amt einer Vizepräsidentin des Parlaments.

          Der Mentor und sein „Geschöpf”

          „Sie war Guido Westerwelles Geschöpf“

          Dass die Diplomatentochter, die bis zum Schulalter in Marokko und Sudan lebte und dann in Köln aufwuchs, an diese Front geschickt wurde, hätte ihr Werdegang zunächst nicht erwarten lassen. Nach dem Studium der Geschichte und Volkswirtschaftslehre betrieb sie in Brüssel (zusammen mit einem früheren Europaabgeordneten der Grünen) eine PR-Agentur. Kurze Zeit war sie stellvertretende Vorsitzende der Jungen Liberalen und Vorsitzende der Auslandsgruppe Brüssel der FDP. Das sind Ämter, die oft nicht einmal auf Hinterbänke führen.

          Aber Frau Koch-Mehrin hatte einen wichtigen Mentor. „Sie war Guido Westerwelles Geschöpf“, sagt einer aus der Partei. Der damalige FDP-Vorsitzende verhalf ihr zur Straßburger Kandidatur und diente sie auch dem Landesverband Baden-Württemberg an, der sich mit diesem Glamour-Zugang allerdings nie anfreunden konnte. Wie sehr Frau Koch-Mehrin weiß, wem sie ihren Aufstieg zu verdanken hat, machte sie noch Anfang des Jahres deutlich, als sie dem schwer unter Feuer stehenden Westerwelle in einem Interview mit der Aussage beizustehen suchte, er sei der größte Parteivorsitzende, den die FDP je gehabt habe.

          Offenbar keine Neigung zum ernsteren Fach

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