https://www.faz.net/-gpf-8repz

Rechtspopulisten in Koblenz : Petry fordert „den Mut, Europa neu zu denken“

  • Aktualisiert am

Die AFD-Vorsitzende Frauke Petry spricht in Koblenz. Bild: dpa

Auf ihrem Treffen wollen die rechten Europaparlamentarier ein Startsignal für die anstehenden Wahlkämpfe senden. Zahlreiche Menschen protestieren gegen den Kongress. Dabei wird ein deutscher Parteichef von linken Demonstranten bedrängt.

          In Koblenz sind europäische Rechtspopulisten am Samstag zu einem Kongress zusammengekommen. Bei ihrer Reder sagte AfD-Chefin Frauke Petry, die Bürger würden in Europa immer mehr vom Staat eingeengt. „Die Freiheit des Individuums, das Recht auf selbstbestimmtes Leben, sie sind bedroht“, sagte sie am Samstag in Koblenz bei einer Veranstaltung der Fraktion „Europa der Nationen und der Freiheit“ (ENF) im Europaparlament. Dies zeige sich auch in der Einwanderung von Ausländern. Viele Medien und Politik würden Willkommen und Toleranz predigen. Dabei wollten die Einwanderer aber an vormodernen Traditionen festhalten, ihnen seien „unsere Werte vollkommen egal“.

          Petry warf Medien und Politik vor, der Bevölkerung die richtigen Verhaltensweisen vorzuschreiben: „Du sollst Einwanderern und ihren Sitten gegenüber tolerant sein und ihnen auch dann kultursensibel begegnen, wenn sie Dir aggressiv und fordernd entgegentreten.“ Die AfD-Chefin forderte vor den rund 1000 Teilnehmern „den Mut, Europa neu zu denken“. Gegen die „unkontrollierte Umschichtung der Bevölkerung“ müsse politischer widerstand geleistet werden.

          Als erste Rednerin war Frankreichs Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National aufgetreten. Sie stellte den Aufstieg der europäischen Rechten als Antwort der Bürger auf ein Diktat liberaler Eliten dar. Bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland rief Le Pen ihren Anhängern zu: „Wir erleben das Ende einer Welt und die Geburt einer neuen.“

          Nach der britischen Brexit-Entscheidung und der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten werde 2017 „das Jahr des Erwachens der Völker von Zentraleuropa“ sein. Die Etappe, in der die Nationalisten in Europa Randgruppen gewesen seien, sei nun beendet. In der nächsten Etappe gehe es darum, an den Urnen Mehrheiten zu holen. Den Kongressteilnehmern der AfD rief Le Pen zu: „Ihr seid die Zukunft Deutschlands.“

          Wilders: „Europa braucht Frauke statt Angela“

          Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders forderte seine europäischen Mitstreiter in einer Rede dazu auf, Strategien gegen eine „Massenimmigration“ nach Europa zu entwickeln. Die Politiker der etablierten Parteien „befördern unsere Islamisierung“, sagte der Chef der Partei für Freiheit (PVV). In der Folge hätten Frauen „Angst, ihr blondes Haar zu zeigen“. Um sich diesem Trend entgegenzustellen, brauche Europa ein „stolzes Deutschland“, sagte Wilders, der seine Rede in deutscher Sprache hielt.

          Mit dem Slogan „Europa braucht Frauke statt Angela“ löste Wilders vor allem bei den AfD-Teilnehmern des Kongresses Begeisterung aus. Sie skandierten den Slogan gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der von den Demonstrationen des islamfeindlichen Pegida-Bündnisses bekannt ist: „Merkel muss weg, Merkel muss weg.“

          Mit dem Kongress will die ENF ein Startsignal für Wahlkämpfe in verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten senden. Die rechtspopulistischen Parteien lehnen die EU in der bestehenden Form entschieden ab. Für breite Kritik sorgte die Entscheidung der Organisatoren, Vertreter verschiedener Medien nicht zur Berichterstattung zuzulassen.

          Der Kongress wurde von Protesten begleitet, an denen auch deutsche und europäische Politiker unterschiedlicher Parteien teilnehmen wollten. Rund 2000 Menschen versammelten sich nach Polizeiangaben am Samstagmittag vor dem Hauptbahnhof Koblenz, um gegen die Veranstaltung zu demonstrieren. Am Rande der Kundgebung wurde SPD-Chef Sigmar Gabriel von mehreren linksgerichteten Demonstranten bedrängt.

          Weitere Themen

          Noch nicht mal zum Kaffeeplausch

          FAZ Plus Artikel: CDU und AfD : Noch nicht mal zum Kaffeeplausch

          Die Union will sich stärker von der AfD abgrenzen und fasste einen Beschluss, in dem sie die Ermordung Walter Lübckes mit dem Handeln der AfD in Zusammenhang bringt – steht nun ihre Beziehung zu den Sicherheitsbehörden auf dem Spiel?

          Ein Sieg für die Demokratie Video-Seite öffnen

          Bürgermeisterwahl in Istanbul : Ein Sieg für die Demokratie

          Bei der Wiederholung der Bürgermeisterwahl hat der Kandidat der Republikanischen Volkspartei (CHP) mit 54 Prozent eine deutliche Mehrheit errungen. Die Abstimmung galt als Test, ob es in der Türkei noch einen Machtwechsel durch freie Wahlen geben kann.

          Topmeldungen

          Aktuell gibt es in Deutschland nur einen Bruchteil der bis 2020 anvisierten 100.000 Ladestellen.

          Elektromobilität : Strom-Tankstellen auf Staatskosten

          Im Kanzleramt findet gerade ein Autogipfel statt. Ein Thema: Elektro-Autos. Sie sind für die Industrie das nächste Milliardengeschäft. Doch die Ladesäulen soll der Staat bezahlen – mit bis zu einer Milliarde Euro. Aber muss das sein?

          FAZ Plus Artikel: CDU und AfD : Noch nicht mal zum Kaffeeplausch

          Die Union will sich stärker von der AfD abgrenzen und fasste einen Beschluss, in dem sie die Ermordung Walter Lübckes mit dem Handeln der AfD in Zusammenhang bringt – steht nun ihre Beziehung zu den Sicherheitsbehörden auf dem Spiel?
          Spuren der Vergangenheit: Im Garten seines Hauses bei Potsdam blickt Joost Siedhoff auf eine der Wurfpuppen, die seine Mutter Alma Siedhoff-Buscher am Bauhaus gestaltete.

          Joost Siedhoff im Porträt : Mutter am Bauhaus

          Alma Siedhoff-Buscher hat Spielzeug für Kinder entworfen. Ihr Sohn, der 92 Jahre alte Schauspieler Joost Siedhoff, hält ihr Werk lebendig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.