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Von der Leyens Vorschlag : EU-Kommission könnte fast zur Hälfte weiblich sein

  • Aktualisiert am

Ursula von der Leyen verkündete am Montag ihre Wunschbesetzung für die Kommission. Bild: AFP

Die EU-Kommissionspräsidentin möchte in ihrem Team fast genauso viele Frauen wie Männer haben. Doch einige Personen aus der Wunschbesetzung Von der Leyens stehen in der Kritik.

          Erstmals soll die Europäische Kommission fast zur Hälfte mit Frauen besetzt sein. Die gewählte Präsidentin Ursula von der Leyen schlug am Montag in Brüssel ein Team aus 13 Frauen – einschließlich der Chefin selbst – und 14 Männern vor. Derzeit sind es neun Frauen und 19 Männer.

          Die EU-Kommission ähnelt einer Regierung mit verteilten Ressorts. Sie schlägt europäische Gesetze vor und achtet auf deren Einhaltung. Jedes der 27 bleibenden EU-Länder ist mit einer Person vertreten – für Deutschland ist das von der Leyen, Großbritannien verzichtet wegen des geplanten Brexits Ende Oktober. Planmäßig soll die Kommission am 1. November starten.

          Von der Leyen hatte eine gleichmäßig aus Männern und Frauen besetzte Kommission versprochen – und ihr Vorschlag entspricht dem in etwa. Das letzte Wort hat allerdings das Europaparlament, das in Anhörungen noch einzelne Kommissare in Frage stellen könnte.

          Umstrittene Kandidaten

          Vorbehalte bei Parlamentariern gibt es vor allem gegen die Nominierten aus Ungarn, Polen und Rumänien. Der für Ungarn nominierte ehemalige Justizminister Laszlo Trocsanyi steht in der Kritik, weil er eine umstrittene und inzwischen gestoppte Justizreform mitgetragen hat. Gegen den polnischen Kandidaten Janusz Wojciechowski ermittelt die europäische Anti-Betrugs-Behörde Olaf wegen womöglich falscher Reiseabrechnungen. Die von Rumänien nominierte Rovana Plumb sieht sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.

          Wer welche Aufgabe in der neuen Kommission erhalten soll, will von der Leyen am Dienstag in ihrer ersten großen Pressekonferenz in Brüssel bekanntgeben. Nach den Anhörungen im Europaparlament wird das Plenum über das gesamte Personalpaket abstimmen.

          Die Europäische Kommission:
          Präsidentin
          Ursula von der Leyen (Deutschland, Konservative, bis Juli Bundesverteidigungsministerin)

          Geschäftsführende Vizepräsidenten
          Frans Timmermans (Niederlande, Sozialdemokrat, bisher Erster Vizepräsident der EU-Kommission)
          Margrethe Vestager (Dänemark, Liberale, bisherig EU-Wettbewerbskommissarin)

          Außenbauftragter
          Josep Borrell (Spanien, Sozialdemokrat, bisher Außenminister)

          Weitere Kommissare (Zuständigkeiten werden am Dienstag verkündet)
          Didier Reynders (Belgien, Liberaler, bisher Außenminister)
          Mariya Gabriel (Bulgarien, Konservative, bisher EU-Digitalkommissarin)
          Kadri Simson (Estland, Liberale, frühere Wirtschaftsministerin)
          Jutta Urpilainen (Finnland, Sozialdemokratin, frühere Finanzministerin)
          Sylvie Goulard (Frankreich, Liberale, Ex-Ministerin und zuletzt Vizepräsidentin der französischen Zentralbank)
          Margaritis Schinas (Griechenland, Konservativer, bisher Chefsprecher der EU-Kommission)
          Phil Hogan (Irland, Konservativer, bisher EU-Agrarkommissar)
          Paolo Gentiloni (Italien, Sozialdemokrat, früherer Ministerpräsident)
          Dubravka Suica (Kroatien, Konservative, bisher EU-Abgeordnete)
          Valdis Dombrovskis (Lettland, Konservativer, bisher für den Euro zuständiger Vizepräsident der EU-Kommission)
          Virginijus Sinkevicius (Littauen, Grüne, bisher Wirtschaftsminister)
          Nicolas Schmit (Luxembourg, Sozialdemokrat, Ex-Arbeitsminister und zuletzt EU-Abgeordneter)
          Helena Dalli (Malta, Sozialdemokratin, bisher Ministerin für Europa-Angelegenheiten)
          Johannes Hahn (Österreich, Konservativer, bisher EU-Erweiterungskommissar)
          Janusz Wojciechoski (Polen, National-Konservativer, zuletzt Mitglied des Europäischen Rechnungshofs )
          Elisa Ferreira (Portugal, Sozialdemokratin, bisher Vize-Präsidentin der portugiesischen Zentralbank)
          Rovana Plumb (Rumänien, Sozialdemokratin, Ex-Ministerin und zuletzt EU-Abgeordnete)
          Janez Lenarcic (Slowenien, Liberaler, Diplomat)
          Maros Sefcovic (Slowakei, Sozialdemokrat, bisher für Energie zuständiger Vizepräsident der EU-Kommission)
          Ylva Johansson (Schweden, Sozialdemokratin, bisher Arbeitsministerin)
          Vera Jourova (Tschechien, Liberale, bisher EU-Justizkommissarin)
          László Trócsányi (Ungarn, Konservativer, Ex-Justizminister und zuletzt EU-Abgeordneter)
          Stella Kyriakidou (Zypern, Konservative, bisher nationale Abgeordnete)






















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