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Ethikrat zu Massentierhaltung : Die Schmerzen der Tiere sind ethisch fragwürdig

Schweine in deutscher Massentierhaltung Bild: VIER PFOTEN, Fred Dott/Vier Pfoten - Stiftung für Tierschutz

Geschredderte Küken und schlechte Haltungsbedingungen: Der Ethikrat hat untersucht, inwiefern Massentierhaltung vertretbar ist. Er macht Vorschläge, was sich ändern sollte.

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          Durch Missstände in Zuchtbetrieben und Gerichtsurteile ist die Behandlung von Nutztieren zunehmend ins öffentliche Bewusstsein getreten. Das betrifft beispielsweise die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts von 2019 zur Unzulässigkeit des Tötens „überzähliger“ – da für Eierproduktion und Mast unbrauchbarer – männlicher Küken. Danach ist die derzeitig geübte Praxis dieses sogenannten Kükenschredderns gesetzeswidrig. Der vom Tierschutzgesetz geforderte „vernünftige Grund“ zur Tötung von Tieren dürfe nicht allein ökonomischer Natur sein. Gleichzeitig solle allerdings die bisherige Vorgehensweise für einen Übergangszeitraum erlaubt bleiben. Aber auch die bewegungseinschränkende Haltung von Zuchtsauen bei der Kastenstandhaltung ist zunehmend ein Thema.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          In seiner am Dienstag in Berlin vorgestellten Stellungnahme „Tierwohlachtung – Zum verantwortlichen Umgang mit Nutztieren“ bezeichnet der Ethikrat die heutigen Zucht-, Haltungs-, Schlacht- und Verwertungsbedingungen, bei denen Tieren routinemäßig Schmerzen und Leid zugefügt werden, nicht nur als rechtlich, sondern auch als ethisch fragwürdig, und fordert eine Reihe von praktischen Reformen.

          Der Ethikrat sei sich bewusst, dass dies „mit erheblichen Umstellungen, Anpassungen und Kostensteigerungen verbunden ist“ und legt dafür Eckpunkte vor. Höher entwickelte Tiere hätten einen Eigenwert, der zu ihrer besonderen Schutzwürdigkeit und einer besonderen Verantwortung der Menschen führe. Er setze menschlichen Nutzungsinteressen Grenzen, die in der jetzigen Praxis aus Sicht des Ethikrats jedoch regelhaft überschritten werden. Das Tierwohl müsse deshalb als weitreichende Verpflichtung angesehen werden.

          Allen Tieren sei während ihres Lebens ein möglichst gutes Befinden zu ermöglichen, das artspezifischen Verhaltensformen und Erlebnismöglichkeiten entspreche. Es dürften ihnen keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zugefügt werden. Ökonomische Überlegungen reichten nicht aus, um Leid und Schmerzen von Nutztieren als „unvermeidbar“ hinzunehmen. Die Bedingungen von Zucht, Haltung und Verwertung einschließlich der Tötung von Nutztieren müssten mit guten Gründen gerechtfertigt werden. Die Ernährungsbedürfnisse von Menschen reichten nicht als pauschale Begründung.

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          Aus dem Respekt vor dem Leben von Tieren folge darüber hinaus, dass generell acht- und sparsam mit Tierleben umgegangen werden müsse. Dieser Grundsatz werde verletzt, wenn bestimmte Nutztiere allein aufgrund ihrer geringeren ökonomischen Erträge pauschal aussortiert und vernichtet werden. Die Stellungnahme orientiert sich an den im Tierschutzgesetz festgelegten grundsätzlichen Schutzstandards. Der Ethikrat schlägt zusätzlich vor, den Grundgedanken des Tierwohls in tierschutzrechtlichen Regelungen besser umzusetzen, etwa durch einen stärkeren Rückgriff auf tierwohlbezogene Indikatoren. Tierwohlorientierte Vorgaben des Tierschutzgesetzes dürften nicht durch eine Interpretation oder untergesetzliche Konkretisierung unterlaufen werden.

          Es brauche klare, rechtsverbindliche Ergebnisse garantierende Verfahrensformen mit transparenten Beteiligungsstrukturen, die Tiere und ihre berechtigten Belange angemessen „repräsentieren“. Nutztierbasierte Produkte seien außerdem in ihrer besonderen Wertigkeit anzuerkennen, Ersatzprodukte seien zu stärken. „Eine ethisch vertretbare Nutztierhaltung ist in erster Linie eine Frage verantwortlicher Regulierung“, heißt es in der Stellungnahme. Die Politik müsse dafür sorgen, dass die erwartbaren Lasten eines solchen Strukturwandels fair verteilt würden. Konkret fordert der Ethikrat, die Rolle der Amtsärzte zu stärken. Doch für eine Achtung des Tierwohls sei die gesamte Gesellschaft verantwortlich. Es müssten alle Akteure eingebunden werden.

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