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Nach Interviewabbruch : Es bleiben viele Fragen an Höcke

Björn Höcke im August in Arnstadt Bild: dpa

Die Aufregung über den Interview-Abbruch und die Drohungen von Björn Höcke verstellt den Blick auf die eigentliche Frage: Wes Geistes Kind ist der AfD-Politiker?

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          Das größte Verbrechen ist aus Sicht mancher Journalisten offenbar der Abbruch eines Interviews. Dabei steht das selbstverständlich jedem frei. Das mag dann peinlich wirken und auch unprofessionell sein. Und die „Drohung“, keine Interviews mehr zu geben? Ein gar nicht so seltenes Gegenmittel von Politikern, wenn sie sich auf den Schlips getreten fühlen. Aber hat der Thüringer AfD-Landesvorsitzende dadurch tatsächlich „die Schwelle von der Demokratie zu faschistischen Phantasien überschritten“, wie der Vorsitzende des Journalistenverbandes meint?

          Gut, man kann aus dem Inaussichtstellen von „massiven Konsequenzen“ für den Fall, dass aus Höcke doch noch eine „interessante persönliche, politische Person in diesem Land“ wird (würde er interviewt, wenn er nicht schon eine wäre?), eine „Drohung“ herauslesen.

          Aber spannend ist doch herauszubekommen, wes Geistes Kind Höcke ist. Dazu taugt die ausführliche Befragung von AfD-Mitgliedern, ob ein bestimmtes Zitat aus Hitlers „Mein Kampf“ oder von Höcke stammt, allerdings weniger. Der Output ist hier auch recht unergiebig. Interessanter ist tatsächlich das von ihm verwendete Vokabular – und vor allem, was er denn damit genau meint.

          So ist es befremdlich, wie Höcke darauf herumreitet, dass es Begriffe wie „entartet“ schon vor dem Nationalsozialismus, und danach und insbesondere in der Biologie gegeben habe. Nun wirft aber gerade dieses Wort Fragen auf, wenn es heute verwendet wird – von einem Politiker, dessen „Flügel“ vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird.

          Stimmt also das Etikett „völkisch“ – auch Alexander Gauland hat dieser Etikettierung durch Bundespräsident Steinmeier ja nicht widersprochen. Und was folgt darauf für die Politik der AfD? Was genau schwebt Höcke für eine Politik vor, wenn er den Begriff des „Lebensraums“ verwendet? Was meint er, wenn er in einem Buch von einem „großangelegten Remigrationsprojekt“ spricht und sich auf Sloterdijks Wort von der „wohltemperierten Grausamkeit“ beruft?

          Fragen gäbe es viele an Höcke. Völlig unklar, warum sein Pressesprecher den Abbruch des Interviews herbeiführte. Das macht aber Höcke noch nicht zum Faschisten.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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