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Krise im Erzbistum Köln : „Faktisch wird es eine Probezeit für Woelki geben“

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, gibt im September im Garten des Erzbischöflichen Hauses in Köln ein Statement ab. Bild: dpa

Hat Kardinal Woelki nach der Rückkehr aus seiner „Auszeit“ eine Zukunft an der Spitze des Erzbistums Köln? Für Weihbischof Rolf Steinhäuser, den kommissarischen Leiter des Erzbistums, ist diese Frage noch offen.

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          Der kommissarische Verwalter des Erzbistums Köln, Weihbischof Rolf Steinhäuser, hält es für ungewiss, ob Rainer Maria Kardinal Woelki dauerhaft an die Spitze des Erzbistums zurückkehren wird. Faktisch gebe es nach dem Ende von Woelkis viermonatiger  „Auszeit“ Anfang März 2022 eine Probezeit, sagte Steinhäuser in einem Interview mit dem Kölner-Stadt-Anzeiger und weiteren Regionalzeitungen vom Samstag. „Es gibt ein relativ enges Zeitfenster, und danach wird klar sein, welche Chancen ihm die Leute geben und wie sie sich dann positionieren. Entweder machen sie dann wieder mit, resignieren, revoltieren oder gehen in die Larmoyanz“, sagte Steinhäuser. Auch der Vatikan werde in dieser Zeit „genau hingucken“.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Steinhäuser schloss zudem nicht aus, dass er in seinem Abschlussbericht an den Vatikan zu dem Ergebnis kommen könnte, er sehe keine Zukunft mehr für Woelki im Erzbistum Köln.  „Auch das ist denkbar. Das gehört für mich zu meiner Offenheit dazu und das bin ich mir auch selbst schuldig“, sagte er. Er werde dem Vatikan eine „klare und ungeschönte Rückmeldung“ geben.

          Steinhäuser fordert Chance für Woelki

          Seinen Auftrag das Erzbistum zu befrieden, nannte der Weihbischof  eine „Mission impossible“. Er habe vom Papst den Auftrag erhalten, das ihm Mögliche zu tun, um einen Wiedereinstieg Woelkis zu ermöglichen. Auf die Frage, ob er diesen Auftrag erfüllen könne, antwortete Steinhäuser:  „Darauf würde ich im Moment keine Wette eingehen.“ In Rom habe man ihm deutlich gemacht, das seine Möglichkeiten  „klar begrenzt“ seien. So sei ihm mitgeteilt worden, dass er den Generalvikar nicht entlassen könne. Daher habe er Generalvikar Markus Hofmann im Amt belassen. Hofmann gilt neben Woelki als Hauptverantwortlicher für die Krise im Erzbistum. Steinhäuser bezeichnete Hofmann in dem Interview als einen, der loyalsten Menschen, die er kenne.

          Die gegenwärtige Stimmung im Erzbistum beschrieb der 69 Jahre alte Geistliche, der seit 2015 Weihbischof in Köln ist, als ein „Atemholen“. Viele Menschen seien beim Gedanken an die Rückkehr des Kardinals unsicher, wie es dann weitergehe. Die Konflikte im Bistum seien „nicht gelöst, es gibt aber inzwischen eine gute Gesprächsbasis“.

          Der Weihbischof warb dafür, Woelki nach dessen Rückkehr eine Chance zu geben. Ein Mensch mit Mitte sechzig wie Woelki könne sich nicht „aus der Lameng“ (im Stehgreif) neu erfinden. „Ob er in der Lage ist die zu nutzen, weiß ich nicht“, sagte Steinhäuser.

          Der Diözesanrat, das oberste Laiengremium im Erzbistum, hatte jüngst mitgeteilt, dass die Gesprächsebene mit Steinhäuser zwar gut sei. Der Konflikt mit der Bistumsleitung könne jedoch mit Steinhäuser nicht gelöst werden, weil dessen Amtszeit zu kurz sei. Nötig seien Gespräche mit Woelki, so der Vorsitzende des Diözesanrats, der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD).

          Papst Franziskus hatte nach einer von ihm angeordneten Untersuchung im September entschieden, dass Woelki im Amt verbleiben, aber bis Anfang März eine  „geistliche Auszeit“ nehmen soll. Woelki habe sich rechtlich nichts zu Schulden kommen lassen und nichts vertuschen wollen. Der Papst attestierte ihm jedoch  „große Fehler“ bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch, die zu einer schweren Vertrauenskrise im Erzbistum geführt hätten. Zuvor hatten zwei  Bischöfe im Auftrag des Papstes in einer sogenannten Apostolischen Visitation den Umgang des Erzbistums mit sexuellem Missbrauch untersucht.

          Steinhäuser wurde vom Papst während der „Auszeit“ Woelkis als sogenannter Apostolischer Administrator bis zum 1. März 2022 mit der kommissarischen Leitung des Erzbistums betraut worden. Steinhäuser ist der einzige der drei Kölner Weihbischöfe, der durch das im März dieses Jahres vorgestellte Kölner Missbrauchsgutachten nicht belastet wurde.

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