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Papstentscheidung zu Woelki : Das Vertrauen ist definitiv verloren

Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, gibt am Freitag in Köln im Garten des Erzbischöflichen Hauses ein Statement ab. Bild: dpa

Man muss wohl ein unverbesserlicher Optimist sein, um zu hoffen, dass die Krise im Erzbistum Köln mit einer mehrmonatigen „geistlichen Auszeit“ Kardinal Woelkis zu lösen ist. Denn sie lässt nicht nur viele Betroffene ratlos zurück.

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          Nein, diesmal hat Papst Franziskus nicht einmal den Schein gewahrt, er halte sich bei seiner Entscheidung über die Zukunft des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki an das Kirchenrecht. Allerdings liegt sein Fall anders als der des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße, der – im Unterschied zu Woelki – dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten hatte.

          Der Kölner Erzbischof hat sich keine Pflichtverletzungen bei der Ahndung von sexuellem Missbrauch zu Schulden kommen lassen. Vielmehr war es Woelki selbst, der nach seiner Rückkehr von Berlin an den Rhein jene Aufklärungsdynamik in Gang setzte, die die Machenschaften Heßes und anderer ans Tageslicht zu bringen drohte.

          Dass seine potentiellen Opfer versuchten, Woelki mit Hilfe von Juristen einzuschüchtern, war schlimm genug. Dass der Erzbischof den Einflüsterern glaubte und am Ende selbst den Betroffenenbeirat hinters Licht führte, sein Kardinalfehler. 

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          Nichts davon ist verborgen geblieben, nicht einmal dem Papst: Franziskus selbst spricht von einer „Vertrauenskrise, die viele Gläubige verstört“. Man muss wohl ein unverbesserlicher Optimist sein, um zu hoffen, dass sich diese Krise, die längst auch große Teile des Kölner Klerus erfasst hat, mit einer mehrmonatigen „geistlichen Auszeit“ bewältigen lässt.

          Denn sie lässt nicht nur viele Betroffene „ratlos und verletzt“ zurück, wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Bätzing, nüchtern feststellt. Es sieht eher danach aus, dass das „Vertrauen in die Führung des bischöflichen Amtes“ (Bätzing) weit über Hamburg und Köln hinaus unwiederbringlich verloren ist. Das Vertrauen in die Integrität des Bischofs von Rom eingeschlossen.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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