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Mecklenburg-Vorpommern : Ministerpräsident Sellering tritt zurück

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Erwin Sellering legt alle Ämter nieder: Wegen einer schweren Krankheit könne er das Amt des Ministerpräsidenten nicht mehr ausüben, heißt es in einer Erklärung. Als Nachfolgerin schlägt Sellering Bundesfamilienministerin Schwesig vor – und auch für sie ist eine Nachfolgerin im Gespräch.

          Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug vom Amt angekündigt. Der SPD-Politiker erklärte am Dienstag, bei ihm sei überraschend eine Krebserkrankung festgestellt worden. 

          Es handelt sich, wie aus einer persönlichen Erklärung Sellerings hervorgeht, die auf der Website des Ministerpräsidenten veröffentlicht ist, um eine Lymphdrüsen-Krebserkrankung, die eine massive Therapie erfordere. „Ich werde deshalb nicht mehr in der Lage sein, das Amt des Ministerpräsidenten so auszufüllen, wie das objektiv notwendig ist und meinem Anspruch an mich selbst entspricht“, schreibt Sellering.

          Der 1949 in Sprockhövel geborene Jurist ist 1994 der SPD beigetreten. Nach den Landtagswahlen 1998 wurde Sellering unter Ministerpräsident Harald Ringstorff Abteilungsleiter in der Staatskanzlei, von 2000 bis 2006 war er Justizminister, danach Sozialminister. Neun Jahre war er Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern. Vor der Landtagswahl im September 2016 stand Sellerings Partei zunächst schlecht da; durch Abgrenzung zur Bundespolitik und einen entschiedenen Umgang mit der AfD gelang es, dass die SPD stärkste Partei blieb. Wie er Wahlkampf gemacht hat und welche politischen Strategien Sellering verfolgt hat – lesen Sie hier ein Porträt aus dem Archiv.

          Stabwechsel im Juli möglich

          In seiner Erklärung hebt Sellering hervor, dass es gelungen sei, dem Land wirtschaftlich eine bessere Perspektive zu eröffnen, die Arbeitslosigkeit spürbar zu senken und Schulden abzubauen. Er legt alle Ämter, auch den Landesvorsitz, nieder. Als Nachfolgerin schlägt er seine Stellvertreterin Manuela Schwesig vor, die bislang Bundesfamilienministerin in Berlin ist. Schwesig gilt als das große politische Talent aus dem Nordosten.

          Nachdem sie erst 2003, 29 Jahre alt, der SPD beitrat, rückte die 1974 in Frankfurt an der Oder geborene Finanzprüferin 2005 in den Landesvorstand der Partei vor. Von 2008 an Landesministerin, seit 2009 stellvertretende Parteivorsitzende im Bund und Teil des Schattenkabinetts von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück 2013. Seit 2013 ist Schwesig Familienministerin in der großen Koalition.

          SPD-Chef Martin Schulz zollte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidenten Erwin Sellering „großen Respekt“ für seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. „Ich weiß, dass ihm diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist“, sagte er am Dienstagvormittag in Berlin. Schulz würdigte Sellering als „außergewöhnlichen Politiker“ und „außergewöhnlichen Menschen“.

          Schwesigs Nominierung „große Selbstverständlichkeit“

          Ein Sonderparteitag am 1. Juli könnte Schwesig für das Amt der Regierungschefin nominieren und sie zur neuen Landesvorsitzenden wählen. Ein Termin für die Wahl von Sellerings Nachfolgerin im Landtag steht noch nicht fest. Bis dahin bleibt Sellering im Amt. Schwesigs Nachfolgerin wird die bisherige Generalsekretärin, Katharina Barley.

          Der scheidende Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommerns, Erwin Sellering, hat die Nominierung von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig als Nachfolgerin an der Regierungsspitze als „große Selbstverständlichkeit“ bezeichnet. Es sei für ihn immer klar gewesen, dass Schwesig ihm nachfolgen solle, wenn sich die Frage stelle, sagte Sellering am Dienstag vor Journalisten in Schwerin. Er gehe davon aus, dass die Parteigremien dem Vorschlag folgten.

          Der SPD-Landesvorstand will auf einer Sondersitzung am Mittwoch über die Personalie entscheiden. Ein Sonderparteitag am 1. Juli könnte Schwesig für das Amt der Regierungschefin nominieren und sie zur neuen Landesvorsitzenden wählen. Ein konkreter Termin für die Ministerpräsidentenwahl durch den Landtag steht noch nicht fest. Sellering sagte, die Wahl könne einige Tage nach dem Parteitag stattfinden. Bis dahin bleibt Sellering im Amt

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