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Erwin Huber : „Die CSU kämpft um ihre Existenz“

  • -Aktualisiert am

Horst Seehofer hat vorgeschlagen, eine Doppelspitze für die CSU einzuführen. Sie haben ja selbst Erfahrungen damit gemacht. Herr Beckstein war Landesvater, Sie Parteichef. Hat die Aufstellung Potential?

Dazu gibt es kein Naturgesetz. Seehofers Zeit an der Spitze neigt sich dem Ende zu, das ist klar, und insofern stehen wir vor einer Zeit des Übergangs. In solchen Phasen ist es sehr riskant, nur auf eine Karte zu setzen. Deshalb ist es gut, wenn wir zwei Pferde vor den großen Wagen CSU spannen und damit ein breiteres Spektrum abdecken. Für den Anfang könnte Seehofer, wie er vorgeschlagen hat, den Parteivorsitz an einen Spitzenkandidaten für Berlin abgeben und erstmal Landesvater bleiben. In der Vergangenheit hat das bei Strauß und Goppel oder Waigel mit Streibl/Stoiber gut funktioniert.

Markus Söder, bislang einer der Kronprinzen, will bei dem Zukunftsszenario nicht mitmachen.

Es ist bedauerlich, dass Markus Söder die strategische Diskussion zu einer persönlichen Frage gemacht hat. Er hat voreilig erklärt, nicht nach Berlin zu gehen und damit die Debatte auf Personen verengt. Angesichts von Söders hartem Anti-Merkel-Kurs wäre es wahrscheinlich sowieso nicht klug, ihn nach Berlin zu schicken.

Es gibt die Lesart, dass Seehofer Söder die Nachfolge verhageln will.

Das halte ich für Quatsch. Seehofer hat als einer der wenigen die Gefährlichkeit der zwei anstehenden Wahlen erkannt und sucht intensiv nach einer Lösung. Deshalb sollte man sein Bemühen, jetzt eine strategische Diskussion zu führen, das sollte man aufnehmen. Jetzt müssen die Weichen richtig gestellt werden. Wir stolpern sonst wieder hinein in eine Situation wie 2007, als es um die Nachfolge von Edmund Stoiber ging.

Es kam zu einer herben Niederlage.

Die CSU steht schon heute vor einem schicksalhaften Existenzkampf, einen internen Konflikt kann sie sich nicht leisten.

Lassen Sie uns strategisch sprechen: Wer könnte für die CSU nach Berlin gehen?

Es ist falsch, die Diskussion von persönlichen Ambitionen her anzugehen. Das muss zuerst strategisch festgelegt und dann erst mit Personen belegt werden. Aus dem starken Wurzelgeflecht der CSU ist das gut möglich.

Immer wieder taucht Joachim Herrmann in der Diskussion auf, der als Landesinnenminister treue Dienste leistet. 

Joachim Herrmann hat sich durch seine Arbeit als Innenminister einen hervorragenden Ruf und eine hohe Anerkennung erarbeitet. Er ist jederzeit in der Lage, auf Bundesebene eine herausgehobene Position einzunehmen. Ob er in Frage kommt oder zur Verfügung steht, das wird sich zeigen.

Jetzt sprechen Sie ja inzwischen sehr positiv über Horst Seehofer. Sie waren Konkurrenten, das Verhältnis stark angespannt. Gab es eine Versöhnung?

Wir haben beide um ein Amt gekämpft, den Parteivorsitz. Ich habe gewonnen, später hat er's übernommen. Heute teilen wir die Sorge um die CSU, mehr nicht.

Horst Seehofer wird beim Parteitag innerhalb von gut 24 Stunden drei Reden halten. Eine ganze Menge. 

(Kichert.) Nicht mal Strauß hat so oft auf einem Parteitag gesprochen.

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