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Erwin Huber : „Die CSU kämpft um ihre Existenz“

  • -Aktualisiert am

Das müssen Sie erklären.

Wir haben innerhalb der CSU eine Menge Leute, die ein Problem hat mit Angela Merkel. Es hat sich tiefer Unmut aufgestaut. Manche stören sich an der Flüchtlingskrise, andere an der Europapolitik oder tragen Jahrzehnte alte Kämpfe erneut aus. Gerade bei Parteitagen, da kann es hochhergehen und es können Sätze fallen, die meint man vielleicht nicht so.

Sie wollen Angela Merkel vor der CSU schützen – deshalb soll sie nicht zum Parteitag kommen?

Die Annäherung zwischen Merkel und der CSU dauert noch an. Wissen Sie, es ist wie bei einer Obsternte. Da darf man die Äpfel auch nicht schon vom Baum reißen, wenn sie noch grün sind, sondern erst wenn sie richtig rot sind. Diesen Reifeprozess muss man abwarten.

Auf Führungsebene von CDU und CSU scheint man längst wieder einen gemeinsamen Nenner zu haben. Wie wollen Sie davon die Basis überzeugen?

Unsere Aufgabe ist es, die Europaskeptiker und die Kritiker der Flüchtlingskrise mitzunehmen, ihnen eine Heimat zu geben. Das bedeutet auch, dass sie sich wieder hin zur Mitte bewegen müssen. Wir werfen ihnen Schwimmwesten und Rettungsringe zu, damit sie wieder ins Boot der Union zurückkehren können. Aber es gibt einige, die sind abgedriftet, die haben wir verloren. Gleichzeitig mussten wir die CDU dazu bringen, sich inhaltlich zu bewegen, damit sie nicht einen ganzen Teil der Bevölkerung verliert. Für mich ist völlig klar, dass die Angela Merkel die gemeinsame Kanzlerkandidatin der CDU und CSU sein wird.

Wieso?

Wir sollten froh sein, dass wir eine so führungsstarke Kanzlerin haben. Ich halte sie für sehr souverän und für jemanden, der zukunftsträchtig ist. Jemand, der in der Tat die Unionsparteien wieder zu einem Wahlsieg führen kann. Dafür müssen wir aber die Truppen wieder sammeln. Das ist auch die Verantwortung von Horst Seehofer. Er muss jetzt die Merkel-Kritiker in der CSU stärker zur Ordnung rufen.

Welche Merkel-Kritiker meinen Sie? 

Es gibt Bereiche in Bayern, wo keine Merkel-Plakate geklebt werden. Wo Merkel für angeblich historische Fehler verantwortlich gemacht wird. Da muss man deutlich sagen: Wir verdanken Frau Merkel den großartigen Wahlerfolg 2013 und wir werden nur mit Merkel erfolgreich sein. Das sage ich, obwohl sie mir 2008 nicht gerade hilfreich war.

Hat der Konfrontationskurs zu lange angehalten?

Seehofer hat damit einen Teil der Bevölkerung für die Union bei der Stange gehalten. Aber die Flüchtlingszahlen sind massiv gesunken, die Frage ist nicht mehr so akut. Er darf sich daran jetzt nicht verbeißen. Eine Doppelstrategie wie 2014 bei der Europawahl funktioniert nicht.

Der damalige Parteivize Peter Gauweiler ging als Europaskeptiker auf Tour, der CSU-Spitzenkandidat für das Europaparlament, Manfred Weber, warb gleichzeitig für Europa.

Das fanden die Wähler unaufrichtig und die CSU hat große Verluste hinnehmen müssen. Eine Doppelstrategie für 2017 - mehrheitlich ist man für Merkel, aber laute kritische Stimmen halten an – das geht nicht. Es schadet. Die Menschen wollen Klarheit. Deshalb sollten wir uns von einem wie Winfried Kretschmann nicht überholen lassen, der Merkel in den höchsten Tönen lobt. Die CSU muss in überschaubarer Zeit festlegen, dass sie Merkel unterstützt. Und zwar nicht gönnerhaft von oben herab, sondern auf Augenhöhe und zu unserem eigenen Vorteil.

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