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Erster Auftritt nach Nominierung : Gauck beklagt Geschichtsvergessenheit

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Die letzte Lesung: Joachim Gauck am Ende einer langen Reise - und vor der nächsten Bild: dapd

Die Fürther „Comödie“ sieht Joachim Gaucks ersten Auftritt nach der Nominierung. Das Ende seiner Lesereise war lange geplant - und Gelegenheit, sich noch einmal möglichst wenig präsidial zu präsentieren.

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          Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck hat die Geschichtsvergessenheit der heutigen Jugend beklagt. Vor allem an Kenntnissen über die osteuropäische Geschichte mangele es bei vielen Jugendlichen, sagte der 72-Jährige am Freitagabend bei einer Lesung aus seinem neuen Buch in Fürth.

          „Ich kann nicht glauben, dass manche die Stasi nicht kennen.“ Die Veranstaltung in der ausverkauften Comödie war der erste öffentliche Auftritt Gaucks nach seiner Nominierung zum Kandidaten für das Amt des Staatsoberhauptes. Generell fehle es im heutigen Europa an einer Auseinandersetzung mit dem Osteuropa des Kalten Krieges. „In Europa wird gerade so getan, als ob es nur eine Erinnerung an eine westdeutsche Geschichte gibt, nicht aber auch eine osteuropäische.“

          Eine Stellungnahme zu aktuellen politischen Fragen oder seiner Kandidatur für das höchste Amt im Staat vermied er. Im offenen Hemd und sichtlich überwältigt vom Medienansturm präsentierte sich der designierte Bundespräsident am Freitagabend in Fürth zum ersten Mal seit seiner Nominierung einer größeren Öffentlichkeit.

          Schon vor einem Jahr hatte der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde in Fürth den Abschluss seiner Lesereise geplant, bei der er sein Buch „Winter im Sommer - Frühjahr im Herbst“ vorstellte. Eine Absage kam dem 72-Jährigen auch nach seiner Nominierung für das höchste Staatsamt wohl gar nicht in den Sinn.

          Gauck bemühte sich sichtlich, möglichst wenig präsidial zu wirken. Als sein Schlusswort dann doch etwas getragen herüberkam, rief er sich selbst schmunzelnd zur Mäßigung auf. „Da bin ich schon bei großen Gefühlen, als käme ich von woanders her“, rief er ins amüsierte Publikum.

          Auf seine künftige Rolle als deutsches Staatsoberhaupt ging Gauck während der knapp zweistündigen Lesung nur mit kurzen Bemerkungen ein. So meinte der 72-Jährige, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt und seiner erwachsenen Tochter Gesine nach Fürth gekommen war, räuspernd gegen Ende der Lesung: „Ich muss mich schonen, ich habe noch ein anstrengendes Leben vor mir.“

          Der bemerkenswerteste Moment war wohl der, als Gauck seine Tochter Gesine völlig überraschend dem Publikum vorstellte. Als er aus dem Buchkapitel las, in dem er den Entschluss seiner Tochter schilderte, anders als ihre Brüder in der DDR zu bleiben, warf er der in der ersten Reihe sitzenden Frau einen Blick zu und bat sie aufzustehen: „Das ist meine Tochter Gesine. Sie ist extra aus Bremen gekommen, um ihren Vater lesen zu hören.“

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