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Ermittlungen gegen Wulff : Get Lost Films

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff in Großburgwedel im Gespräch mit einem Nachbarn (März 2012)
          10 Min.

          Im November 1999 wurde bekannt, dass der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Glogowski seine Hochzeit von zwei Brauereien hatte sponsern lassen. Es ging um einen Vorteil von 2000 Mark, nicht viel Geld, aber der SPD-Mann geriet sofort ins Mahlwerk seiner politischen Gegner. Der Oppositionsführer im Landtag hieß damals Christian Wulff, CDU. Im Deutschlandfunk wurde er gefragt, wie er sich Glogowskis Motiv erkläre. Wulff antwortete grundsätzlich, er stellte einen Maßstab auf für öffentliche Amtsträger: „Jeder Polizeibeamte, jeder Beamte eines Staatshochbauamtes, einer Vergabestelle hat natürlich gar kein Problem, Freunde aus der Wirtschaft in seinem Feld zu bekommen und beispielsweise auch Zuwendungen im Zusammenhang mit Festen, Feiern und privaten Dingen. Es darf nur eben nicht sein. Es darf gar nicht erst zur Korruption kommen, sondern es muss der Anschein von Korrumpierbarkeit, von Abhängigkeiten, von Sponsoring und Politikern vermieden werden.“

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Vier Jahre später stand Wulff selbst an der Spitze der Landesregierung und lernte David Groenewold kennen, einen Filmunternehmer. Die Umstände ihres ersten Treffens sind ungewiss. Wulffs Biograph Armin Fuhrer berichtet, wie der Ministerpräsident 2003 in Goslar die Dreharbeiten für den Film „Das Wunder von Lengede“ besucht und dort den Koproduzenten trifft: „,A rockstar comes down from heaven’, fasst Groenewold die Szene im Deutsch der Filmleute zusammen. Und bekennt: ,Ich war instant fan.’“

          Der Ministerpräsident, Rechtsanwalt, bodenständig, und der pausbackige Filmunternehmer, 14 Jahre jünger, rastlos erfolgreich - zwei gegensätzliche Menschen begegnen sich am Filmset, und eine wunderbare Freundschaft beginnt. Was für eine schöne Geschichte.

          Filmunternehmer David Groenewold
          Filmunternehmer David Groenewold : Bild: dapd

          Als die Szene Anfang des Jahres wieder und wieder in Berichten über die Beziehung zwischen Wulff und Groenewold auftauchte, wurden Journalisten bei der Goslarer Zeitung stutzig. Sie hatten über die Dreharbeiten berichtet, über die Stars Heike Makatsch, Heino Ferch und Jan Josef Liefers, die ihren Glanz auf die norddeutsche Provinz warfen. Über Wulff hatten sie nie geschrieben. Sie fanden auch niemanden, der sich an seinen Besuch erinnerte. Fuhrer hielt an seiner Darstellung fest: Groenewold habe es ihm so berichtet, Wulff habe es bestätigt. Gegenüber der F.A.S. wollte sich keiner der beiden dazu äußern.

          Belegt ist ein Treffen zwischen Wulff und Groenewold am 3. November 2003 in Lengede. Der Film war fertig, es gab einen Empfang im Ort des Grubenunglücks von 1963. Acht Tage später schrieb Groenewold einen Brief an den „sehr geehrten, lieben Herrn Ministerpräsidenten“, um sich für den „freundlichen Empfang“ zu bedanken. Der Tonfall ist sachlich, geschäftstüchtig. Groenewold prahlt mit der Zuschauerquote des Films, in der Spitze zwölf Millionen Zuschauer, 46 Prozent Marktanteil, „der erfolgreichste deutsche Fernsehfilm aller Zeiten bei einem privaten Sender“. „Auch mit der Hilfe des Landes Niedersachsen wurde ein außergewöhnlicher Erfolg für den deutschen Film geschaffen“, lobt er.

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