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Ermittlungen gegen SPD-Innenpolitiker : Drogenkiosk, Kolonie Samoa

Eine andere Frage aus der Edathy-Affäre lautet: Welche Rolle hat der SPD-Innenpolitiker Hartmann gespielt? Der Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann hatte ihn im November 2013 gebeten, „sich um Sebastian Edathy zu kümmern“. Was hatte Hartmann gewusst? „Nur mit Transparenz kann Politik Vertrauen gewinnen“, stand auf seiner Internetseite geschrieben. Fragen zu seinen Edathy-Kontakten beantwortete er trotzdem ungern. Dann beschrieb er seine Distanz zu Edathy und zu Oppermann, sprach von Konkurrenzen unter Sozialdemokraten und unerbetenen Erwähnungen. Den schlimmen Zustand des Kollegen Edathy schilderte er und erzählte von einem Abendessen vor Weihnachten, bei dem der in wirklich schlechter Verfassung gewesen sei. Von der Porno-Sache habe er nichts gewusst. Auch über Homosexualität wurde gesprochen, Lebensgefährten. Bot er Indiskretionen an, um ein anderes Geheimnis zu bewahren?

Die Rede war auch von einem leitenden BKA-Beamten, der seine pädophilen Wallungen an derselben Bilder-Quelle gekühlt hatte wie Edathy. Der BKA-Mann war in Ingelheim für die SPD aktiv gewesen, er lebt keine zehn Kilometer von Hartmanns Wohnort entfernt. Er kenne ihn nicht, sagte Hartmann.

Skurrile Drogengeschäfte in einer Kleingartenkolonie

Der SPD-Politiker war dann im April unter denjenigen gewesen, die verhindern wollten, dass sich der Bundestag genauer mit dem Fall Edathy und seinen merkwürdigen Ermittlungshintergründen beim Bundeskriminalamt befasse. Es gebe „keinen Grund, tiefer zu schürfen“, sagte er Anfang April. Später relativierte er das etwas, war aber weiterhin gegen einen Untersuchungsausschuss.

Zur selben Zeit näherten sich in Berlin die Ermittlungen gegen eine mutmaßliche Crystal-Dealerin dem Abschluss. Die Frau, Silke C., soll mitten in der Schöneberger Kleingartenkolonie „Samoa“ einen Drogenkiosk unterhalten haben. Mindestens zwei Kilo der aufputschenden Crystal-Mischung hat sie laut Anklage der Berliner Staatsanwaltschaft in Umlauf gebracht. Von vier Kunden ist die Rede.

Hartmann sei, so glauben Drogenfahnder, einer davon. Allerdings geht es bei ihm angeblich um kleine Mengen. Gerüchteweise war zunächst von hundert Gramm die Rede gewesen. Sein Anwalt geißelte das in einer „Presseunterweisung“ als „pressenotorisch“. In Rede stehe eine „eigenverbrauchsübliche Menge“, also ein paar Grämmchen.

Es ist noch lange nicht vorbei

So weit bisher bekannt, fiel der prominente SPD-Politiker bei der Überwachung der Dealerin auf. Hartmann soll, so wurde berichtet, mindestens dreimal bei der Frau in der Laubenkolonie eingekauft haben. Allein die Vorstellung, dass der Top-Innenpolitiker der SPD an einem nasskalten Oktobertag durch die Laubenkolonie „Samoa“ geschlichen sein könnte, um bei einer Frau die Droge zu beschaffen, ist geeignet, das Vertrauen in Politik und Sozialdemokratie zu lädieren.

Abermals: Erst stürzte Edathy, der fordernde, unerbittliche Aufklärer des Behördenversagens im Fall „Nationalsozialistischer Untergrund“ über einen Kinderporno-Fall. Nun gerät der wichtigste Innenpolitiker und Geheimnisträger der Fraktion in eine fiese Drogengeschichte. Und in beiden Fällen kann, ja muss man sagen: Es ist noch lange nicht vorbei.

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