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Ermittlungen der Staatsanwaltschaft : Wulff war knapp bei Kasse

Christian Wulff und Ehefrau Bettina im November 2011 beim Bundespresseball in Berlin Bild: dapd

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff war nach seiner Scheidung knapp bei Kasse. Nach F.A.S.-Informationen hat der Unternehmer Egon Geerkens gegenüber der Staatsanwaltschaft Hannover Details genannt. Nach einem Bericht hat Bettina Wulff in dem Verfahren gegen ihren Mann überraschend ausgesagt.

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          Christian Wulff war nach seiner Scheidung knapp bei Kasse. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat Wulffs Bekannter, der Unternehmer Egon Geerkens, gegenüber der Staatsanwaltschaft Hannover ausgesagt, er habe dem damaligen Ministerpräsidenten 2007 30.000 und 60.000 Euro geliehen und dafür eine Rolex-Uhr und wertvolle Bücher als Sicherheiten erhalten. Im Juli 2008 war außerdem ein Privatkonto Wulffs mit 12.534 Euro im Minus. Kurze Zeit später trat Wulff einen Urlaub mit seiner Frau in einem Apartment auf Sylt an, das der Filmunternehmer David Groenewold reserviert hatte.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Wulff hat angegeben, er habe die Übernachtungskosten Groenewold in bar gegeben. Das Geld stammt nach Angaben von Wulffs Frau Bettina aus einem Weihnachtsgeschenk ihrer Mutter.

          Die Mutter bestätigte der Staatsanwaltschaft Hannover schriftlich, sie habe ihrer Tochter zu Weihnachten 2007 einen Bargeldbetrag in Höhe von 2500 Euro geschenkt. Der Staatsanwaltschaft Hannover erschien die mehrmonatige Aufbewahrung dieses Betrages angesichts des negativen Kontostands wirtschaftlich unvernünftig. Das war ein Grund dafür, dass sie wegen des Sylt-Urlaubs 2008 und zweier weiterer gemeinsamer Reisen im Februar Ermittlungen wegen des Verdachts auf Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung gegen Wulff und Groenewold einleitete. Beide bestreiten die Vorwürfe, wollten aber nicht zu dem laufenden Verfahren Stellung nehmen.

          Nach einem Medienbericht hat Bettina Wulff in dem Verfahren gegen ihren Mann überraschend ausgesagt Bilderstrecke
          Nach einem Medienbericht hat Bettina Wulff in dem Verfahren gegen ihren Mann überraschend ausgesagt :

          Wulffs Anwalt teilte der F.A.S. mit, sein Mandant vertraue „auf das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren der unabhängigen Justiz“. Wie der „Focus“ berichtete, vernahm die Staatsanwaltschaft Anfang der Woche Bettina Wulff als Zeugin.

          Groenewold hatte sich seit 2003 mehrfach um die finanzielle Unterstützung des Landes Niedersachsen für konkrete Filmprojekte und allgemeine Filmförderung bemüht. Sein Werben stieß auf ein unterschiedliches Echo. Die Landesregierung lehnte 2006 sein Bitte um einen Alleingang bei der steuerlichen Förderung deutscher Produktionen ab. Ein Unternehmen, an dem Groenewold mehrheitlich beteiligt war, erhielt aber im selben Jahr die Zusage für eine Landesbürgschaft in Höhe von vier Millionen Euro.

          Staatsanwalt will Zwischenstand der Ermittlungen bekanntgeben

          Wulff setzte sich persönlich für Belange ein, die auch Groenewold wichtig waren. Im Mai 2008 teilte der Ministerpräsident indessen dem Leiter seiner Staatskanzlei mit, er wolle die Zusammenarbeit mit dem Filmproduzenten nicht intensivieren. Die Staatsanwaltschaft will noch in diesem Monat, möglicherweise schon kommende Woche, einen Zwischenstand zu ihren Ermittlungen bekannt geben. Sie will sich nach F.A.S.-Informationen auch dazu äußern, ob sie Wulffs Verhältnis zu dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Versicherungskonzerns Talanx, Wolf-Dieter Baumgartl, in ihre Ermittlungen einbezieht.

          Ein Manager der mehrheitlich zu Talanx gehörenden Hannover Rückversicherung hatte Wulff im September 2007 um Unterstützung bei einem Bundestagsvotum gebeten. Wulff kam der Bitte gegen die Beschlusslage seines Kabinetts nach. Ein halbes Jahr später verbrachte er seine Hochzeitsreise in einer italienischen Villa Baumgartls. Die Staatsanwaltschaft wird zudem über den Stand ihrer Ermittlungen gegen Wulffs früheren Pressesprecher Olaf Glaeseker und den Eventmanager Manfred Schmidt berichten. Dabei geht es um den Verdacht auf Bestechlichkeit und Bestechung im Zusammenhang mit den sogenannten Nord-Süd-Dialogen zwischen 2007 und 2009.

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