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Ermittler: „Staatsterrorismus“ : Stehen die iranischen Revolutionsgarden hinter den Synagogen-Angriffen?

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Einschusslöcher in der Tür des Rabbinerhauses bei der Alten Synagoge in Essen Bild: dpa

Die Sicherheitsbehörden verdächtigen Ramin Y., einen einschlägig bekannten Kriminellen, die Anschläge auf Synagogen in Nordrhein-Westfalen verübt zu haben. Der Auftrag soll von den iranischen Revolutionsgarden gekommen sein.

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          Hinter den Angriffen auf Synagogen in Nordrhein-Westfalen Mitte November sollen die iranischen Revolutionsgarden stehen, das berichtete das ARD-Politikmagazin Kontraste unter Berufung auf Ermittler. Drahtzieher soll Ramin Y. sein, ein Polizei und Staatsanwaltschaft in Nordrhein Westfalen aus anderen schwerkriminellen Zusammenhängen bekannter Deutsch-Iraner, der sich 2021 in den Iran abgesetzt hat. Die F.A.Z. hatte bereits vor einer Woche gemeldet, dass die Ermittler eine staatliche Einflussnahme durch den Iran nicht ausschließen. Nun hieß es aus Sicherheitskreisen, diese Spur werde wie von „Kontraste“ beschrieben mit Hochdruck verfolgt. Die Bundesanwaltschaft prüfe, den Fall von der bisher ermittelnden Terrorabteilung der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf zu übernehmen.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          In der Nacht vom 17. Auf den 18. November hatte ein Mann Schüsse auf das Rabbinerhaus der Alten Synagoge in Essen abgefeuert. Wenig später hatte es einen missglückten Brandanschlag auf die Bochumer Synagoge gegeben. Kurz nach dieser Tat konnte ein 35 Jahre alter Deutsch-Iraner festgenommen werden. Er soll zuvor versucht haben, einen weiteren Mittäter für einen Brandanschlag auf die Synagoge in Dortmund zu gewinnen. Diese Person soll das aber abgelehnt haben und zur Polizei gegangen sein.

          Präsident des Zentralrats der Juden sollte ausgespäht werden

          Die Sicherheitsbehörden sollen Ramin Y. verdächtigen, der Kopf hinter den Angriffen zu sein. Laut dem Bericht von „Kontraste„ vermuten die Ermittler, dass er von Iran aus für die iranischen Revolutionsgarden ein Operativkommando für Anschläge in Deutschland leitet. Das ARD-Magazin zitierte einen Ermittler mit den Worten: „Wir sprechen hier von Staatsterrorismus.“ Auch für den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, soll es derzeit eine erhöhte Bedrohungslage geben. Die Gruppe um Ramin Y. habe Schuster ausspähen wollen.

          Der 1988 in Mönchengladbach geborene Ramin Y. war unter anderem Geschäftsführer eines Bordells in Leverkusen und zunächst im Rockerclub Bandidos aktiv. Gemeinsam mit Clubbrüdern soll er Anfang 2012 mehrere Mitglieder der verfeindeten Hells Angels lebensgefährlich verletzt zu haben. Ende 2012 lief Ramin Y. dann mit seinem gesamten Bandidos-Chapter zu den Hells Angels über, weshalb am Niederrhein ein brutaler Rocker-Krieg ausbrach.

          Zu einem besonders grausigen Verbrechen kam es 2014, als der Hells-Angels-Rocker Kai M. erschossen und sein Leichnam zerstückelt wurde. Die Hells Angels sollen M. verdächtigt haben, im damaligen Rockerkrieg Geheimnisse ihres Klubs an die Ermittler verraten zu haben. Ramin Y. steht im Verdacht an der Ermordung von Kai M. beteiligt gewesen zu sein. Er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

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