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Erika Steinbach : „Ich wäre zum Verzicht bereit gewesen“

  • Aktualisiert am

Erika Steinbach Bild: Daniel Pilar/F.A.Z.

Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen im Interview über Versöhnung, ihre mögliche Mitgliedschaft im Stiftungsrat und den „Amoklauf“ ihres „speziellen Freundes“ Wladyslaw Bartoszewski.

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          Dass die CDU-Abgeordnete Erika Steinbach in den Rat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ berufen werden könnte, bringt viele Polen auf die Barrikaden. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen im Interview über Versöhnung mit den Nachbarn, bröckelnde Selbstbilder und den „Amoklauf“ ihres „speziellen Freundes“ Wladyslaw Bartoszewski. Das Gespräch führten Stefan Dietrich und Richard Wagner.

          Frau Steinbach, sind Sie eine Feindin Polens?

          Nein. Ich weiß, alle meine Vorgänger hatten ein ähnliches Schicksal. Sie waren für Polen genau wie ich die Feindbilder, mit denen man Kinder erschreckte. In den postkommunistischen Staaten wird es noch lange emotionale Wellenbewegungen geben. Ich nehme das alles mit einer gewissen Gelassenheit.

          Haben Sie versucht, dieses Image loszuwerden?

          Ich habe nicht an mein Image gedacht bei der Arbeit für den Bund der Vertriebenen. Wir beschäftigen uns dort mit dem Thema Vertreibung, und zwar weltweit. Wir haben sehr deutlich gemacht, dass wir auch an der Seite der anderen Opfer stehen. An der Seite der Menschen, die heute vertrieben werden, an der Seite der Menschen, die durch den Nationalsozialismus Schreckliches erlebt haben, und da gehört Polen natürlich dazu. Mit der Ausstellung „Erzwungene Wege“ haben wir erstmals auch auf das Schicksal vertriebener Polen hingewiesen. Wir haben uns nicht abgekapselt, sondern uns geöffnet für das Schicksal der anderen.

          Die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ ist beschlossen. Sind Sie damit am Ziel all Ihrer Wünsche?

          Es ist mein Kind. Mein Herz hängt daran.

          Moses hat es auch nicht bis ins Gelobte Land geschafft . . .

          . . . der ist vorher gestorben.

          Jetzt steht wieder Ihre Person im Mittelpunkt. Sind Sie da kompromissbereit?

          Demnächst wird die Bundesregierung die berechtigten Organisationen auffordern, ihre Kandidaten für den Stiftungsrat zu benennen.

          Es ist zweifelhaft, dass sie das demnächst tun wird.

          Das Gesetz sieht es vor, und man kann Gesetze ja nicht einfach liegenlassen. Wir haben deshalb im Präsidium des BdV bereits einen Beschluss gefasst, den wir aber erst nach Aufforderung öffentlich machen wollten. Die Bundesregierung hatte ich informiert über das Ergebnis. Es ist dabei nie an mich herangetragen worden, ich möge mich doch zurückziehen. In dieser Woche wurde dann aber durch einen Medienbericht deutlich, dass das Ergebnis in Polen bereits bekannt war und dass mein spezieller Freund Amok läuft.

          Wladyslaw Bartoszewski.

          Ich habe in Gesprächen mit BdV-Präsidiumsmitgliedern am Montag deutlich gemacht, dass das Projekt auf den letzten Metern an mir nicht zu scheitern braucht. Ich wäre zum Verzicht bereit gewesen. Das wurde aber einhellig von allen Gesprächspartnern als indiskutabel abgelehnt. Es geht meinem Präsidium dabei nicht um die Causa Steinbach, sondern um das Selbstverständnis des Verbandes. Man würde es keiner Gewerkschaft zumuten, weder den Kirchen noch einem Opferverband, auf eine Benennung zu verzichten, nur weil ein Nachbarland damit Probleme hat.

          Die Folge wird sein, dass die Bundesregierung das Projekt auf die lange Bank schiebt.

          Ich plädiere für kreative Lösungen. Allerdings gibt es Befürchtungen, das ganze Projekt könnte einen anderen Charakter bekommen und nicht mehr wiedergeben, was den 15 Millionen deutschen Vertriebenen, darunter 2 Millionen Tote, widerfahren ist. Es gibt nach diesen jahrelangen Debatten durchaus Misstrauen. Das muss ausgeräumt werden. Ich will keine Umdeutung, sondern die Wahrheit.

          Das Gespräch mit Erika Steinbach lesen Sie in voller Länge in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 22. Februar.

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