https://www.faz.net/-gpf-8h1f0

Erfurt : AfD droht mit einem „Maßnahmenpaket“ gegen den Neubau einer Moschee

  • Aktualisiert am

Ein Muslim betet in Gera: Im nahen Erfurt ist ein Moscheeneubau geplant. Bild: dpa

Für 450 000 Euro will die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt eine Moschee errichten. Obwohl die Pläne noch am Anfang stehen, gibt es gleich Abwehrreflexe und Drohungen – zum Beispiel von der AfD.

          1 Min.

          Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt hofft für ihren geplanten Moschee-Neubau in Erfurt auf eine Grundsteinlegung in diesem Jahr. Dies hänge vom weiteren Ablauf des baurechtlichen Verfahrens ab, sagte der Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser am Freitag. Die Gemeinde mit rund 70 Mitgliedern will in einem Gewerbegebiet im Ortsteil Marbach eine Moschee mit Kuppel und einem elf Meter hohem Minarett errichten. Es wäre der erste Moschee-Neubau in Thüringen.

          Die Gemeinde hat dafür eine Bauvoranfrage bei der Stadt eingereicht, damit steht das Planungsverfahren noch ganz am Anfang. Bereits in dieser frühen Phase ist es umstritten. Mehrere Einwohner Marbachs nutzten die Pressekonferenz zur Vorstellung der Pläne, um ihren Unmut kundzutun. „Gefühlt ist die Mehrheit der Marbacher dagegen“, sagte Ortsteilbürgermeisterin Katrin Böhlke (parteilos). Die rechtspopulistische AfD kündigte am Freitag ein „Maßnahmepaket“ gegen den Moscheebau an, ohne Details zu nennen.

          Die Ahmadiyya-Gemeinschaft, die in Deutschland derzeit rund 50 Moscheen betreibt und auch in Leipzig einen Moscheebau plant, verfügt in Erfurt nach Angaben ihres hiesigen Sprechers Suleman Malik über keine eigenen Räume für Gebete und Begegnungen. Die jetzige Voranfrage muss von der Stadtverwaltung geprüft werden. Bei einem positiven Bescheid kann Ahmadiyya den eigentlichen Bauantrag stellen, der dann ein Genehmigungsverfahren durchlaufen muss.

          Die Stadt Erfurt stehe dem Moschee-Bau aufgeschlossen gegenüber, sagte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD). Die Pläne würden nach denselben Kriterien geprüft, nach denen auch der Bau einer Kirche oder einer Synagoge geprüft werde. Die Ahmadiyya-Gemeinde hat ihre Pläne bereits im Ortsteilrat vorgestellt, sie plant auch eine Bürgerinformationsveranstaltung.

          Der ins Auge gefasste Standort für die Moschee liegt in einem Gewerbegebiet an der Bundesstraße 4 im Nordwesten der Stadt. Geplant sind zwei Trakte mit Gebetsraum, Büros, Küche und Sanitäreinrichtungen. Das Gelände will die Ahmaddiya-Gemeinde von der Landesentwicklungsgesellschaft erwerben. Die Größe des Baus soll mit der eines Zweifamilienhauses vergleichbar sein. Geplant ist ein „Zierminarett“, das nicht für Muezzin-Rufe genutzt werden soll. Die Bausumme wird auf 450 000 Euro geschätzt.

          Die Ahmadiyya-Glaubensrichtung gilt anderen islamischen Strömungen wegen unterschiedlicher religiöser Auffassungen als „nichtmuslimisch“. Im sächsischen Chemnitz hatte die Stadt kürzlich einen Bauvorantrag für eine Ahmadiyya-Moschee abgelehnt.

          Weitere Themen

          Konservativer Außenseiter gewinnt in Tunesien

          Präsidentenwahl : Konservativer Außenseiter gewinnt in Tunesien

          Erste Prognosen sagen dem Juristen Kaïs Saïed einen Sieg bei der Präsidentenwahl voraus. Er punktete vor allem bei Jüngeren. Die Wahl hatte sich am Donnerstag zugespitzt, nachdem Saïeds Gegenkandidat aus der Untersuchungshaft entlassen wurde.

          Ausgangssperre nach schweren Unruhen Video-Seite öffnen

          Gespräche in Ecuador geplant : Ausgangssperre nach schweren Unruhen

          Die seit Tagen anhaltenden Ausschreitungen in Ecuador nehmen kein Ende - nun soll es erste Gespräche zwischen den Demonstranten und der Regierung geben. Nach schweren Unruhen in der Hauptstadt Quito verhängte Präsident Lenín Moreno eine Ausgangssperre.

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkischen Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.