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Erdogans Intervention : Wo kämen wir da hin?

Ohne interkulturelle Humorkompetenz: Recep Tayyip Erdogan Bild: dpa

Wir dürfen unsere aufgeklärte Errungenschaft einer ironischen öffentlichen Kommunikation nicht den eitlen Empfindsamkeiten eines Potentaten opfern. Eine nicht ganz ironiefreie Entgegnung.

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          Diese Zeichnung ist vor drei Jahren entstanden, anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Ankunft des ersten türkischen Gastarbeiters in Deutschland. Sie zeigt ein Beispiel gelungener Integration. Ein türkischer Wirt bewirtet einheimische Gäste auf seiner bayerischen Almhütte.

          Achim Greser
          Freier Autor
          Heribert Lenz
          Freier Autor

          Die Kulturunterschiede sind wechselseitig akzeptiert, ein kleines Problem bereitet offensichtlich lediglich das pikante türkische Essen. Als vorurteilsfreier Betrachter sollte man eine Szenerie im Geiste der Toleranz und der Versöhnung erkennen können, die eine harmlose heitere Note hat.

          Natürlich muss man in unserer Branche immer mit jedem noch so absurden Missverständnis rechnen; Humor- und Ironiekompetenz sind leider im Niedergang begriffen. In diesem Fall hätten wir allerdings eher Beschwerden vom Deutschen Alpenverein, von konservativen bayerischen Heimatvereinen oder von türkischen Nahrungsmittelproduzenten erwartet, nicht aber vom türkischen Präsidenten.

          Von welcher Großmannssucht und Paranoia muss ein Staatschef geleitet sein, der sich über den kleinen Nebenschauplatz einer ausländischen Witzzeichnung, die nur einem Minderheitenpublikum zu Gesicht kommt, empört?

          Zumal noch nicht einmal klar ist, ob er selbst gemeint ist, denn Erdogan ist unserer Kenntnis nach ein weitverbreiteter türkischer Name, vergleichbar mit Müller oder Schmidt in Deutschland.

          Die Intervention des Herrn Präsidenten ist geeignet, den von ihm als bedroht erachteten interkulturellen Frieden in Deutschland selbst zu bedrohen. Denn es kann und darf nicht sein, dass unsere aufgeklärte Errungenschaft einer ironischen öffentlichen Kommunikation den eitlen Empfindsamkeiten eines Potentaten geopfert wird. Wo kämen wir da hin?

          Bild: Greser & Lenz

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