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Erdogan-Kommentar : Der Islam als Werkzeug der Nationalisten

  • -Aktualisiert am

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Köln Bild: AP

Der Staatsbesuch des türkischen Präsidenten und die Eröffnung der Kölner Zentralmoschee offenbaren: Hier kommt ein Nationalist, der den Islam nur als Vehikel benutzt.

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          Spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist der Islam in seiner radikalisierten Variante der brutalen Attentäter von New York das beherrschende Thema nicht nur in der internationalen Politik, sondern auch auf den nationalen Feldern der Integration von Einwanderern. Das auch sicherlich zurecht, denn der Islamismus, nicht der Islam in seinen gemäßigten Ausprägungen, erfährt weiterhin Zulauf, die Salafisten faszinieren vor allem junge, desorientierte Männer.

          Was wir aber am Samstag in Köln bei der Eröffnung der großen Ditib-Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan erleben mussten, offenbart eine andere Dimension. Zwar wurden Koranverse rezitiert, es ging schließlich um eine Moschee. Aber der Charakter der Veranstaltung – und mehr noch das Drumherum aus zugereisten Erdogan-Fans und den Streitigkeiten zwischen Ditib und der Kölner Stadtgesellschaft – offenbart, dass der Islam hier vor allem ein Werkzeug für den erstarkten türkischen Nationalismus Erdogans ist.

          Kinder in Erdogan-T-Shirts

          Selten ging es so wenig um die religiösen Inhalte, wie in diesem Fall. Unter den angereisten Anhängern Erdogans, die teilweise schon vom Morgen an vor den Absperrungen ausharrten, waren nur wenige Betende oder offensichtlich Religiöse zu sehen. Stattdessen dominierten die türkischen Farben, Flaggen und Banderolen. Der Personenkult um Erdogan nimmt Züge anderer Autokraten an, dabei wird auch nicht davor zurückgeschreckt, Kinder in Erdogan-T-Shirts und mit Erdogan-Stirnbändern auszustaffieren. 

          Der Islam ist für Erdogan nur ein weiteres Vehikel, um die Herzen seiner Anhänger oder derjenigen, die es noch werden sollen, zu erreichen. Das macht die Sache nicht einfacher, sollte aber dazu anregen, die richtigen Werkzeuge zu nutzen. Wer die Ditib, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, vor allem als religiöse Organisation betrachtet, tut ihr vielleicht einen Gefallen, aber nicht der Integrationsarbeit. Sie ist zumindest unter der derzeitigen Staatsspitze in Ankara eine Organisation auch mit weltlich-nationalistischer Agenda. Das muss man wissen, wann immer es darum gehen sollte, die Ditib als Partner für islamische Theologie an Universitäten und Schulen mit ins Boot zu holen.

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