https://www.faz.net/-gpf-a7pn4

Heikler Fund in Seevetal : Erddepot könnte „Revo­lu­tio­nä­ren Zellen“ gehören

Polizisten untersuchen in einem Waldstück in Seevetal die in dem Erddepot sichergestellten Gegenstände. Bild: dpa

Nicht die RAF, sondern eine andere links­ter­ro­ris­ti­sche Gruppe könnte das Erddepot in Seevetal angelegt haben, in dem unter anderem Chemikalien gefunden wurden. Wie sich die „Revolutionären Zellen“ von der RAF unterscheiden.

          1 Min.

          Das Landes­kri­mi­nal­amt (LKA) in Nieder­sach­sen hat seine Einschät­zung zu dem Erdde­pot geän­dert, das am Sams­tag in einem Wald­stück in der Gemeinde Seevetal südlich von Hamburg gefun­den wurde. Nach­dem die Behör­de zunächst einen Bezug zur Roten Armee Frak­ti­on (RAF) vermu­te­t hatte, deuten die Ermitt­lun­gen inzwi­schen darauf hin, dass das Depot von der eben­falls links­ter­ro­ris­ti­schen Gruppe „Revo­lu­tio­nä­re Zellen“ ange­legt worden ist.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Das LKA teilte mit, dass in dem vergrabenen Fass aus Kunststoff Anleitungen zum Bau von Brand- und Sprengsätzen gefunden wurden sowie Ratschläge zur Versorgung von Schusswunden. Das Fass enthielt zudem Chemikalien. In die Ermittlungen ist auch das Bundeskriminalamt eingebunden. Das LKA zeigte sich zuversichtlich, die Funde in der kommenden Woche abschließend beurteilen zu können.

          Anschläge nebenher verübt

          Das Depot war am Samstag bei Baumfällarbeiten in einem privaten Waldgrundstück gefunden worden. Die „Revolutionären Zellen“ (RZ) agierten ebenso wie RAF von den siebziger Jahren bis in die neunziger Jahre. Im Unterschied zur RAF lebten die Mitglieder der RZ aber nicht im Untergrund, sondern gingen Berufen nach und verübten ihre Anschläge nebenher. Auch die Organisationsstruktur der RZ war deutlich lockerer und dezentral. Die RZ wollte Anschläge begehen, die potentiell von vielen Menschen zum Vorbild für weitere Taten genommen werden konnten.

          Anders als die RAF lehnten die RZ die gezielte Hinrichtung ihrer Opfer ab. Der Einsatz von Schusswaffen sollte dazu führen, dass die Opfer arbeitsunfähig werden. Es wird allerdings angenommen, dass die Ermordung des hessischen Wirtschaftsministers Heinz-Herbert Karry im Jahr 1981 von den RZ ausging. Bei der Tat wurden sechs Schüsse auf den FDP-Politiker abgegeben, von denen vier trafen. In einem Bekennerschreiben der RZ hieß es später, Karrys Tod sei nicht beabsichtigt gewesen.

          Weitere Themen

          Joe Biden will sich äußern Video-Seite öffnen

          Fall Khashoggi : Joe Biden will sich äußern

          Präsident Joe Biden will sich am Anfang der Woche zu den neuesten Entwicklungen im Fall des ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018 äußern. Dabei werde es um den Umgang mit Saudi-Arabien im Allgemeinen gehen.

          Topmeldungen

          Menschen gehen am Sonntag bei Sonnenschein am Rheinufer in Düsseldorf spazieren.

          Vor Beratungen : Öffnen beim Anblick der dritten Welle?

          Deutschland steht vor einer neuen Pandemie-Welle. Die Politik sucht eine Gratwanderung zwischen Vorsicht und Lockerungen. Sind regionale Strategien und Schnelltests die Lösung?
          Einer Ärztin wird am Freitag in der Hauptstadt von Paraguay der russische Impfstoff Sputnik V verabreicht.

          Sputnik V : Einer der gefragtesten Impfstoffe der Welt

          Allein vergangene Woche haben fünf weitere Länder Russlands Corona-Impfstoff zugelassen. Auch ein EU-Land hat das Vakzin schon registriert. War die Skepsis des Westens unangebracht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.