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Proteste in Stuttgart : Entsteht da eine Art Pandemie-Pegida?

  • -Aktualisiert am

Selbstverständnis „Widerstand“: Demonstranten auf dem Canstatter Wasen Bild: Philipp von Ditfurth

Der größte Protest gegen die Einschränkungen durch die Corona-Krise findet in Stuttgart statt. Zwischen „Merkel muss Weg“-Schildern wird barfuß getanzt.

          7 Min.

          Das Protest-Programm läuft seit gut einer Stunde, als am Himmel eine Drohne auftaucht. Auf der Bühne kreischt eine Frau, im Publikum entsteht Unruhe, Buh-Rufe ertönen. „Die Drohne soll weg!“, unterbricht die Frau ihre Rede. „Ich mache erst weiter, wenn die Drohne weg ist.“ Das Gerät aber verharrt mittig auf dem Bühnenvorplatz, direkt über den Köpfen der Teilnehmer. „Droh-ne-weg, Droh-ne-weg!“, skandieren diese jetzt. Es dauert dann noch eine Weile, bis die Drohne verschwindet, doch bleibt unklar, ob sie den Veranstaltern gehört, die ihr Tun umfangreich dokumentieren oder doch zur Polizei, die am Samstagnachmittag in Stuttgart alle Mühe hat, die Auflagen durchzusetzen. Abermals hatte der Unternehmer Michael Ballweg zum Protest gegen die Corona-Beschränkungen der Regierung gerufen. „Querdenken 711“ heißt seine Initiative, die an diesem Tag auch mit Ablergern in Darmstadt, Hamburg, München und Ulm demonstriert.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Stuttgart aber ist seit einigen Wochen das Zentrum der Bewegung. Schon zwei Stunden vor dem offiziellen Start strömen Menschen auf das riesige Gelände des Cannstatter Wasen. An den Eingängen verteilen Helfer A4-Blätter mit Forderungen sowie kleine weiße Steine, die „positive Energie“ spenden sollen. „Wir sind eine friedliche Bewegung“, steht auf den Zetteln, und auch Ballweg wird später mehrfach darauf hinweisen; vor allem, nachdem die Versammlungsauflagen der Stadt verlesen wurden: Obergrenze 5000 Teilnehmer, 2,5 Meter Mindestabstand und obligatorischer Mund-Nasen-Schutz hat das Ordnungsamt verfügt, was mit lautstarken Buh- und Pfui-Rufen quittiert wird. Eine Schutzmaske trägt hier praktisch niemand, der Mindestabstand wird dafür vergleichsweise penibel eingehalten. Auf dem Boden sind alle 2,5 Meter weiße Kreuze gesprüht, die umgehend belegt werden: Decken, Sitzkissen, Trinkflaschen werden wie Handtücher am mallorquinischen Pool drapiert und der eigene Protest-Claim abgesteckt. Wer zu spät kommt, muss draußen bleiben.

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