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Entscheidung an Universität Rostock : Ein Ehrendoktor für Edward Snowden?

  • Aktualisiert am

Erhält der Whistleblower Edward Snowden bald die Ehrendoktorwürde an der Universität Rostock? Bild: dpa

Seit Monaten wird an der Universität Rostock darüber diskutiert, ob „Whistleblower“ Edward Snowden mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet wird. Nun soll in der Fakultät die Entscheidung fallen. Sie könnte knapp ausgehen.

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          Die Philosophische Fakultät der Universität Rostock entscheidet am Mittwoch über die Ehrendoktorwürde für den früheren amerikanischen Geheimdienst-Mitarbeiter Edward Snowden. Dieser hatte sich mit brisanten Daten des Geheimdienstes NSA aus den Vereinigten Staaten abgesetzt und Asyl in Russland gefunden.

          Snowden hat damit nach Worten des Dekans der Fakultät, Hans-Jürgen von Wensierski, die Funktion eines klassischen Aufklärers. „Er macht im großen Stil auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam und hat Dinge offengelegt, die vorher so nicht bekannt waren“, sagte er der Deutschen Presseagentur dpa. Nun könnten diese Missstände beseitigt werden.

          Knappe Entscheidung erwartet

          Nach Einschätzung von Wensierskis könnte die Entscheidung im 22-köpfigen Fakultätsrat allerdings knapp ausfallen. Da der Fall von Anfang an kontrovers diskutiert wurde, lasse sich der Ausgang kaum prognostizieren. Für die Verleihung einer Ehrenpromotion ist eine Dreiviertel-Mehrheit im Rat notwendig. Die Fakultät und Snowden haben bislang keinen Kontakt miteinander gehabt. Es gebe aber Beziehungen zu Menschen, die mit Snowden in Verbindung stehen. „Die haben uns angeboten, bei einem positiven Ausgang des Verfahrens den Kontakt herzustellen.“

          Am 10. März nahm Snowden aus dem russischen Exil heraus an der Internetkonferenz „South by Southwest“ in Austin, Texas, teil - per Videoschalte

          Dem Fakultätsrat liegen sieben Gutachten renommierter deutscher und internationaler Sozial- und Geisteswissenschaftler vor, die sich mit der Frage Ehrenpromotion für Snowden beschäftigt haben. Darin werde auf die wissenschaftliche Dimension des „Whistleblowers“ eingegangen. Überkommene Theorien und Selbstverständlichkeiten würden dank Snowden infrage gestellt. Zwischenstaatliche Beziehungen oder auch das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat müssten neu überdacht werden.

          „Wir sind nicht naiv“

          Dass Snowden keine eigenen wissenschaftlichen Leistungen erbracht habe, sei für eine Ehrenpromotion nicht notwendig. Die Ehrendoktorwürde dürfe nicht mit einer regulären Promotion verglichen werden, sagte Wensierski.

          Im vergangenen Sommer war durch Snowden bekanntgeworden, dass der NSA im großen Stil die Kommunikation unter anderem in Deutschland überwacht. Auch das Handy von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde abgehört. Snowden befindet sich derzeit in Moskau. Ob er im Falle einer Ehrenpromotion tatsächlich nach Rostock kommen kann, sei zweifelhaft. „Da sind wir nicht naiv“, sagte Wensierski.

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