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Sexueller Missbrauch : Kein Geld der Welt macht das Leid wieder gut

Missbrauch – ein Kreuzweg für die Betroffenen. Bild: dpa

Zehn Jahre hat es gedauert, ehe dass die deutschen Bischöfe die Entschädigung der Missbrauchsopfer in die Hände eine unabhängigen Kommission legen wollen. Den Verlust an Glaubwürdigkeit macht das wohl nicht mehr wett.

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          Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer, die sich an der Obergrenze dessen bewegen, was das deutsche Recht vorsieht, dazu ein einheitliches Vorgehen aller 27 Bistümer, beides sichergestellt durch eine (von der Deutschen Bischofskonferenz mandatierte) unabhängige Kommission – so soll an Glaubwürdigkeit gerettet werden, was noch zu retten ist. Wie viel das im Jahr elf nach „Canisius“ und fast zwanzig Jahre nach der Verabschiedung der ersten Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ist, liegt im Auge des Betrachters.

          Einerseits ist die katholische Kirche hierzulande die erste und die bislang einzige Institution, die sich dem Thema sexuelle Gewalt so gestellt hat. Aber das auch nur unter dem Druck von Betroffenen und der öffentlichen Meinung. Und sicher ist das, was in Sachen Prävention im Raum der Kirche geschieht, nachgerade vorbildlich. Andererseits haben die Bischöfe bis heute nicht den Mut gefunden, das Urteil über Schuld und Unschuld im Umgang mit Opfern und Tätern in die Hände einer unabhängigen Wahrheits- und Versöhnungskommission zu legen.

          Denn was eine solche zu Tage förderte, ließe einen langen Schatten nicht nur auf Tote fallen, sondern auch auf Lebende. Von diesen aber wehren sich viele – siehe das Kölner Aufarbeitungsprojekt – weiterhin mit allen Mitteln. Auch das ist eine Verhöhnung der Opfer, die – wie das oft lebenslange Leid – mit keinem Geld der Welt gutgemacht werden kann.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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