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Entführungsflugzeug : Berlin will die „Landshut“ zurück

  • -Aktualisiert am

Am 13. Oktober 1977 wurde die „Landshut“ auf einem Flug zwischen Frankfurt und Mallorca entführt. Bild: EPA

1977 haben GSG9-Kräfte die „Landshut“ aus den Händen von Terroristen befreit. Jetzt droht sie, in Brasilien zu verrotten. Die Bundesregierung will das Zeitzeugnis retten – und kaufen.

          Es gibt ein Schweigen, das fast so laut ist wie Reden. Als ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitag gefragt wurde, ob eine Meldung des Südwestrundfunks zutreffe, derzufolge die Bundesregierung das vor vierzig Jahren von Terroristen entführte und von der GSG9 befreite ehemalige Lufthansa-Flugzeug „Landshut“, das in Brasilien steht, gekauft habe, wollte er das nicht kommentieren. Er bestritt es jedoch auch nicht. Die brasilianische Zeitung „Folha de S.Paulo“ hatte über den Kauf berichtet.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Die „Landshut“ war nach der Entführung im Oktober 1977 schon bald wieder als Passagierflugzeug geflogen, später von der Lufthansa verkauft worden und von unterschiedlichen Besitzern schließlich bis vor einigen Jahren als Frachtmaschine eingesetzt worden. Zum Schluss gehörte sie dem brasilianischen Unternehmen TAF, dem aber die Lizenz entzogen wurde. Das Flugzeug steht seither auf dem Flughafen in Fortaleza in Nordbrasilien und droht zu verrotten.

          Im Februar hatte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) dieser Zeitung gesagt, die „Landshut“ sei „eine lebendige Zeugin eines wichtigen Moments der Geschichte der jungen Bundesrepublik“. Aus dem Auswärtigen Amt hatte es geheißen, man wolle schauen, wie man helfen könne, „die Erinnerung an die ,Landshut‘ und mit ihr an diese schwierige Zeit wachzuhalten“. Seither arbeitet ein Team im Auswärtigen Amt mit Hochdruck daran, sie zurückzubekommen. Ziel ist es, sie bis zum Herbst wieder in Deutschland zu haben, wenn sich die Ereignisse des sogenannten Deutschen Herbstes zum vierzigsten Mal jähren. Dazu soll bei einer für den Oktober geplanten Veranstaltung Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen, allerdings unabhängig vom Verbleib der „Landshut“. Vorstellbar ist, dass der Sozialdemokrat Gabriel auch den Wahlkampf vor der Bundestagswahl am 24. September mit im Auge hat.

          Zeugin der dramatischen Tage

          Die Befreiung der „Landshut“ aus den Händen palästinensischer Terroristen fand schließlich auf Anweisung des sozialdemokratischen Bundeskanzlers Helmut Schmidt statt und gehört zu den größten Erfolgen einer Bundesregierung im Antiterrorkampf. Der Zeithistoriker Martin Rupps, der sich seit Jahren intensiv mit den Geschehnissen rund um die „Landshut“ befasst und dem Auswärtigen Amt ein Konzept für einen Erinnerungsort vorgelegt hat, erinnert daran, dass Gabriel 1977 gerade 18 Jahre alt war und die Ereignisse jener Zeit einschließlich der Befreiung der „Landshut“ bewusst erlebt habe. „Ich bin sicher, er setzt alles daran, die damals entführte Maschine nach Deutschland zu holen“, sagte Rupps dieser Zeitung.

          Der enge Zeitplan macht die Rückholung des Flugzeugs schwierig und mag erklären, warum das Auswärtige Amt seit dem Februar hartnäckig schweigt zu der Frage, wie weit der Prozess gediehen sei. Ist die „Landshut“ wieder im Besitz der Bundesrepublik, so könnte sie bei erster Betrachtung leicht zurückgebracht werden. Doch wenn das bis zum Herbst geschehen soll, ist es besser, das nicht mit einem Schiff, sondern per Frachtflugzeug zu machen. Zerlegung und Lufttransport würden nach Auffassung von Fachleuten etwa eineinhalb Millionen Euro kosten.

          Eine staatliche Finanzierung wäre zwar denkbar, würde aber mehr Zeit benötigen als eine private. An privaten Geldern stehen aber nach Informationen dieser Zeitung erst 750.000 Euro bereit. Sind alle Modalitäten geklärt, so könnte die „Landshut“ nach Auskunft von Eingeweihten in drei Tagen zerlegt und in einem Tag nach Deutschland geflogen werden.

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          Auch zu dem Ort, an dem das Flugzeug in Deutschland stehen soll, um besichtigt werden zu können, ist im Auswärtigen Amt nichts zu erfahren. Schon mehrere mögliche Standorte wurden gerüchtehalber genannt, von Flensburg bis nach Friedrichshafen am Bodensee. Ebenfalls nicht offiziell gesprochen wird darüber, wer die Restaurierung übernimmt und bezahlt. Es gibt Mutmaßungen, die Lufthansa könnte das tun. Von dem Unternehmen wird dazu nichts gesagt. Nur soviel äußerte eine Sprecherin: „Die Entführung der ,Landshut‘ ist Teil der Geschichte der Lufthansa. Es ist wichtig, die Erinnerung an die Ereignisse von damals wachzuhalten.“ Das Interesse der Bundesregierung an dem Flugzeug als „Zeugin“ der dramatischen Tage von damals sei nachvollziehbar.

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