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Entführter Vietnamese : Im Flugzeug der Ahnungslosen

Trinh Xuan Thanh am 22. Januar nach seiner Verurteilung zu einer lebenslangen Haftstrafe in Hanoi Bild: EPA

Welche Rolle spielte die Slowakei bei der Entführung des vietnamesischen Geschäftsmannes Trinh Xuan Thanh in Berlin? Wurde Deutschland bewusst getäuscht?

          4 Min.

          Das Werkzeug der Lüge ist für gewöhnlich keines, das auf diplomatischem Parkett oft gebraucht wird. Gesprochen wird in Auslassungen, in Verdrehungen, die bisweilen in Verrenkungen enden. Eine Regierung aber auf Nachfrage bewusst zu täuschen, ihr die Unwahrheit zu sagen, hat einen gewissen Seltenheitswert. Die Konsequenz ist für gewöhnlich eine Form der menschlichen Entfremdung: Vertrauen zerbricht auch dann, wenn die andere Seite zur Entschuldigung auf ihre politische Zwangslage oder eigene Leichtgläubigkeit gegenüber Dritten verweist.

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Morten Freidel
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

          Im Verhältnis zwischen der Bundesrepublik, Vietnam und der Slowakei könnte sich eine schwierige Situation anbahnen. Es geht, immer noch, um die Entführung des vietnamesischen Geschäftsmannes Trinh Xuan Thanh. Während die Empörung bislang darauf beruhte, dass Trinh am helllichten Tage im Berliner Tiergarten vom vietnamesischen Geheimdienst entführt und nach Hanoi verschleppt wurde, kommt nun eine Neuigkeit hinzu. Bisher war es nur ein Verdacht, dass Trinh unter dem Deckmantel einer vietnamesischen Regierungsdelegation in einem ausgeliehenen, slowakischen Regierungsflugzeug von Pressburg nach Moskau transportiert wurde – ein befreundeter EU-Staat zu dem vietnamesischen Verbrechen also auch noch Beihilfe leistete. Mittlerweile geht das Berliner Landeskriminalamt nach Informationen der F.A.Z. aber fest davon aus, dass Trinh in der Maschine saß. Und: Vietnam und die Slowakei hatten stets das Gegenteil beteuert. Also demnach die Unwahrheit gesagt, und das in einem ohnehin mit außenpolitischen Komplikationen aufgeladenen Fall.

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